von Oliver Wagner am 20. Dezember 2013

Bad Griesbach liegt nicht wirklich vor der Tür, wenn man von Hamburg aus anreisen muss. Wir haben uns die beschauliche Traumdestination für Golfspieler aus ganz Europa allerdings als Ziel für den kulinarischen Abschluss unserer Reise durch das Salzburger Land und Bayern ausgesucht. Dem Il Giardino, gekrönt mit zwei Michelin Sternen, galt unser Besuch – und per Definition rechtfertigt diese Auszeichnung ohnehin jeden Umweg.

Das Restaurant, unter der Führung von von Kathrin Feix und Denis Feix, ist in einer wunderschönen Gartenvilla direkt an das Columbia Hotel Bad Griesbach angebunden.

Wir hatten vor unserer Anreise mit Kathrin Feix telefoniert und eine vegetarische Menü-Variante angefragt. Tatsächlich wurde aber nicht nur dieser Wunsch umgesetzt, es wurde eine eigene, vegetarische Karte erstellt, aus der wir sogar noch kombinieren und Gänge wählen konnten. Das ist toll – und bereits ein erstes Indiz für die exzellenten Gastgeberqualitäten, die uns an diesem Abend erwarten sollten. Natürlich entschied ich mich aber für die klassische Fassung der 8 Gänge umfassenden Naturreise (129 €) und die passende Weinbegleitung (84 €).

Den Auftakt bildete auf der nicht vegetarischen Seite des Tisches ein kleine Roulade von Kalbsbries und ein gerösteter Blumenkohl.

Kalbsbries

Kalbsbries

Das zweite Amuse-Bouche war dann direkt eine regelrechte Sensation. Ein Gericht zum darin versinken. Auf der krossen Haut des Huhns wurden die beiden Sot-l’y-laisse Stückchen serviert, dazu Steinpilze, gebraten und als Püree sowie etwas Salzzitrone. Ohne Besteck, mit den Fingern zu essen. Was den sensorischen Aspekt der hauchdünnen Haut noch stärker betonte. Zu gerne hätte ich noch zwei oder drei weitere Portionen davon bestellt…

Huhn

Huhn

Ein Heilbutt in zwei Zubereitungen markierte dann den eigentlichen Auftakt des Menüs. Zum einen leicht geräuchert, zum anderen zart angebraten, dazu eine Schwarzwurzel, die ihrem Namen alle Ehre machte und eine leichte Ponzu Hollandaise.

Heilbutt

Heilbutt

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Bouchot Muscheln

Auch die nächsten beiden Gänge widmeten sich Protagonisten aus dem Meer. Zunächst die köstliche Bouchot Muschel an Topinambur und Meerrettich, anschließend Flusskrebse in aussergewöhnlicher aber sehr passender Kombination mit Piemonteser Haselnuss und Feijoa.

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Flusskrebse

In der vegetarischen Abteilung gelangten währenddessen zwei sehr ansprechende alternative Gänge an unseren Tisch. Zunächst ein Steinpilz mit einem kleinen, aber feinen Risotto, anschließend eine optisch sehr ansprechendes Komposition mit Romanesco.

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Steinpilz

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Romanesco

Beim folgenden Gang glichen sich die Komponenten wieder etwas an. Während bei mir die Ente im Zentrum des Interesses stand, ergänzt um Ravioli und ein Süppchen vom Kürbis, sowie eine Sauce aus Verjus, wurde die vegetarische Variante als Pastakomposition (ohne Ente) abgewandelt. Beides fantastisch und erneut mit unglaublich viel Liebe zum Detail und vielen geschmacklichen wie handwerklichen Facetten entwickelt.

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Pasta

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Ravioli

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Ente

Eigentlich war ich zur Ente bereits auf ein schönes Glas Rotwein eingestellt und zunächst etwas überrascht, als Kathrin Feix statt dessen einen Riesling einschenkte. Einen Jesaja Riesling vom Weingut Ankermühle. Auf der Maische vergoren und 24 Monate im Barrique gelagert, unfiltriert und deswegen gewollt trüb. Durch die intensive Nase voll Kräuter, leichter Anklänge an Vanille und auch Kamille eine tolle Begleitung zur Ente.

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Rippchen

Das Menü wurde schrittweise deftiger, die Rippchen fast schon eine klassische Kombination mit Sauerkraut und Batate. Aber natürlich interpretierte Denis Feix auch bei diesem Gang die Produkte neu und servierte das Sauerkraut in Form von Eis und setzte mit den krossen Chips eine zusätzliches Texturenspiel.

Das anschließende Bisonfilet wurde ebenfalls in zwei unterschiedlichen Zubereitungen serviert und bekam durch die Kombination mit gebratener Grapefruit und einem Püree aus Grapefruit eine angenehm leichte Note.

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Bisonfilet gegrillt, Metzgerstück sous vide

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Frischkäse

Als Übergang zum Dessert wurden wir mit einer Variation von Frischkäse und Quitte überrascht, es schlossen sich dann die eigentlichen Desserts des Menüs an. Zunächst eine Komposition aus drei Varianten der Marone. Auf einem Teller als Spaghetti drapiert, ausgesprochen lecker und zart, mit angenehm zurückhaltender Süße. Auf dem zweiten Teller dann eine gratinierte Marone auf einem Graniteé von der Mandarine. Wunderbar leicht, frisch und fruchtig.

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Marone

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Marone, Spahetti

Der dritte Gang aus der Patisserie wurde dann um einiges kräftiger und kombinierte Eiche, Eberesche und Mascarpone.

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Eiche

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Eberesche

Auf eine kleine Variation von Bergkäsen (Tomme de Montagne und Comté Vieux, zwischen 3 Wochen und 16 Monaten gereift) konnten wir zum Abschluss natürlich auch nicht verzichten…

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Käse

Eine Reise die sich gelohnt hat. Sowohl die Anreise nach Bad Griesbach, aber und insbesondere die Naturreise von Denis Feix. Es war ein ganz besonderer, wunderbarer Abend. Geschuldet nicht nur den fabelhaften, kreativ wie handwerklich auf extrem hohem Niveau entwickelten Gerichten aus der Küche, sondern nicht zuletzt auch dem sympathischen und sehr entspannten Service von Kathrin Feix. Ihre Passion für deutsche und österreichischen Weine spiegelte sich in der ausnahmsweise exzellenten Weinbegleitung wieder, die nicht nur stets auf den Punkt zur Menüfolge passte, sondern zusätzlich noch einige spannenden und ungewöhnliche Neuentdeckungen für mich bereit hielt.

Il Giardino
Columbia Hotel Bad Griesbach
Passauer Str. 39a
94086 Bad Griesbach
Telefon: +49 8532 309-0

Hinweis: Wir waren auf Einladung der COLUMBIA Hotels & Resorts in Travemünde und reisten zu Pressetarifen. Die Berichterstattung wurde davon nicht beeinflusst.