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von Oliver Wagner am 11. Juli 2013

Ein wunderbarer Film, auf ganz vielen Ebenen. Und ein großes Versäumnis ihn erst kürzlich gesehen zu haben.

David Gelb erzählt die Geschichte von Jiro Ono, dem 85-jährigen Großmeister des Sushis und seinem mit 3 Michelin Sterne gekröntem Restaurant Sukiyabashi Jiro in Tokio.

Dabei ist der Film viel mehr, als ein Portrait der beispiellosen Perfektion von Jiro. Es ist auch eine Familiengeschichte, eine Erzählung über die langsame Übergabe des Restaurants an seinen älteren Sohn Yoshikazu und die Emanzipation des jüngeren Sohnes Takashi, der ein eigenes Restaurant nach exakt gleicher Tradition führt.

Zudem ist Jiro Dreams of Sushi auch ein Bild über die Liebe zur eigenen Profession, dem großen Wunsch Jiros, jeden Tag ein kleines Stück besser zu werden. Seit nunmehr 70 Jahren, Tag für Tag, stets dem gleichen Ablauf folgend.

Once you decide on your occupation… you must immerse yourself in your work. You have to fall in love with your work. Never complain about your job. You must dedicate your life to mastering your skill. That’s the secret of success… and is the key to being regarded honorably.

Seine Perfektion zeigt sich nicht nur bei der Auswahl der Produkte (nur der beste Fisch, der beste Reis, ganz gleich, wie aufwändig dessen Zubereitung ist), deren Vorbereitung (es zeigte sich, dass ein Oktopus der 60 Minuten massiert wird, etwas zarter wird, als würde man ihn nur 30 Minuten massieren), dem großen Handwerk, aber auch der stets unauffälligen Beobachtung seiner Gäste. So werden die Sushi stets unmerklich und nur marginal der Größe, dem Geschlecht und Appetit des Gastes angeglichen, damit alle 10 Personen die parallel dinieren, im gleichen Rhythmus bleiben. Erkennt Jiro einen Linkshänder, wird ihm künftig das Sushi entsprechend andersherum gereicht.

Bezeichnend ist, dass David Gelb ursprünglich einen wesentlich allgemeiner gehaltenen Film über die Kunst des Sushi drehen wollte, aber so fasziniert von Jiro und seiner Geschichte war, dass er während der Dreharbeiten umschwenkte und sich alleine auf das Sukiyabashi einließ. Zum Glück.