von Oliver Wagner am 15. August 2012

Unser Dinner im L’atelier de Robuchon war sowohl Geburtstagsgeschenk als auch Krönung unseres Familienausflugs nach Paris. Nach zwei Tagen im Disneyland dürsteten wir nicht nur nach einem guten Hotel, nach der Rückkehr in die Zivilisation, sondern auch nach einem guten Essen. In Vorbereitung auf letzteres hatten wir bereits vor einigen Wochen im L’atelier reserviert.

Da es mich bereits vor fast fünf Jahren an einen Herd des Großmeisters und Koch des Jahrhunderts führte (Thomas Knüwer berichtete damals von unseren Eindrücken), liebäugelte ich zunächst mit Alternativen, von denen Paris unfassbar viele anzubieten hat. So sprach ich mit dem Agapé Substance und dem Sola. Da im August aber quasi ganz Paris ausgeflogen ist, hat ein Großteil der Restaurants geschlossen, ergo kamen beide Alternativen nicht in Betracht – was letztlich auch überhaupt nicht schade war.

Unsere Reservierung war zunächst für 18:30 geplant, auch auf telefonische Bitte scheint es unmöglich, verbindlich für einen späteren Zeitpunkt zu reservieren. So nahmen wir das Risiko auf uns, erst knapp drei Stunden später zu erscheinen. Das senkte den prozentualen Anteil an Touristen deutlich – und wir hatten das große Glück die letzten beiden noch freien Plätze an der Bar zu ergattern.

Wie es in den L’ateliers Prinzip ist, sitzt man mit bestem Blick auf die offene Küche an der Theke, in unserem Fall in freudiger Erwartung des 10-gängigen Menü Découverte (á 169,- EUR).

L’Amuse-bouche

Den Auftakt bildete ein kleiner Gruß aus der Küche in Form eines Spargelsüppchens. Lecker, hübsch und ein schöner, leichter Start.

La Tomate

Feine katalanische Gaspacho unter Kräutern und Blüten angerichtet. Leicht und sommerlich.

Le Caviar

Der Kaviar wird auf einer Kartoffelscheibe in einem Bett aus Crème aigre drapiert, umrandet von wunderbar kräftigem Olivenöl aus der Provence. Eine sehr reduzierte und unprätentiöse Präsentation mit Fokus auf den hervorragenden Komponenten. Es stellt sich eine angenehme Vorfreude auf die kommenden Gänge ein – in dieser Richtung darf es bitte weiter gehen.

Le Gyoza

Der Gyoza oder auch Jiaozi ist ein asiatischer Verwandter der Maultausche oder auch den von mir ja sehr geliebten Pelmeni.In unserem Fall mit einer Geflügelfüllung, leicht angegrillt und in einer leichten und sehr aromatisch fruchtigen asiatischen Bouillon serviert. Insgesamt gut, aber in diesem Rahmen etwas ungewohnt, vielleicht etwas zu grob. Währenddessen zieht allerdings die Qualität der begleitenden Weine gerade deutlich an, mineralisch und sehr stimmig.

Le Foie Gras

Mein erstes wirkliches Highlight. Über die gebratene Foie Gras hatte ich bereits gelesen. In Verbindung mit den eingelegten Kirschen und der Hibiskus Sauce ein Traum, handwerklich wunderbar.

L’Oeuf

Das Ei versteckt sich zunächst unter einer aufgeschäumten Créme im Cocktailglas. Gemeinsam mit den Pfifferlingen bildet sich eine interessante Kombination, vielleicht insgesamt etwas üppig.

Leider beobachteten wir an dieser Stelle einen Effekt, dessen Muster wir im Verlaufe des Abends noch häufiger feststellen konnten: Die beiden Cocktailgläser wurden uns vom sehr freundlich und quirligen Service mit den Wort “Und hier kommt dann Ihre Piña Colada. Nein, natürlich nur ein Scherz” serviert. So zogen sich verschiedene einstudierte Gags durch unser Menü, fast in gleichem Wortlaut früher oder später an den Nachbartischen zu hören. Das ist etwas schade, muss aber wohl dem Konzept, unbedingt locker, witzig und keinesfalls steif wirken zu wollen zugeschrieben werden.

Le Rouget

Le rouget relevé d’une vierge condimentée sur un émulsion douce au curcuma. Liest sich nicht nur fantastisch, gefiel uns auch sehr gut. Eine interessante und kräftige Kombination, neben dem Kurkuma noch mit einer intensiven Tapenade ergänzt – und natürlich exakt auf den Punkt gebraten. Der Wein steigert sich parallel weiter.

Beim Fleischgang konnte unter dreierlei Gerichten gewählt werden, dem Agneau de lait (Milchlamm), La caille farcie de foie gras et caramélisée avec une pomme purée trufflée (Wachtel) oder dem Black Angus. Obwohl die beiden erstgenannten echte Robuchon-Klassiker sind, entschied ich mich für das Rind.

L’agneau de lait

Gücklicherweise konnte ich das die kleinen Koteletts vom Lamm dennoch in Augenschein nehmen und auch kosten. Natürlich ein Traum. Durch den kleinen gebundenen Thymian Strauss auch sehr schön präsentiert.

Le black angus

Das Black Angus Filet war ebenfalls wunderbar, perfekt gegart und in seiner schlichten, reduzierten Eleganz nahezu perfekt.

Tahiti Vanille

Ein guter Zeitpunkt für das erste Dessert in Form von kleinen, höchst aromatische Erdbeeren mit einem Eis aus der Tahiti Vanille.

Le chocolat tendance

Gefolgt von Le chocolat tendance, einer intensiven Verbindung einer Araguani Ganache mit einem Eis aus Grué de Cacao, also gerösteten und zerstoßene Kakaobohnen unter feinen Spuren von Oreo.

Le chocolat tendance

Zusammenfassend kann man sagen, dass unser Menü Découverte einen guten Einblick in das Prinzip und die zweifelsfreie Qualität des L’atelier de Robuchon gewährt hat. Dieses Niveau weltweit und gleichbleibend zu halten verdient höchsten Respekt. Ein uneingeschränkte Empfehlung, sowohl für das preislich vernünftig kalkulierte Menü, sicher aber auch für die diversen anderen Gerichte, die wir zwischendurch anderenorts an der Theke sehen konnten. Mercie bien!