von Oliver Wagner am 27. August 2014

“Die Landschaft ist so schön, dass es innerlich schmerzt” beschrieb Liv Ullmann einst die norwegischen Fjorde. Man mag ihr sofort zustimmen. Das viele Wasser, die Berge, die grüne, meist unberührte und menschenleere Landschaft, ist in der Tat wunderschön. Und ich bin mittlerweile fest überzeugt: Der beste Weg um diese Landschaft zu bereisen ist das Schiff. Nur auf dem Wasser spürt man die Größe der Berge, die vielen engen Windungen der Fjorde, die langsam umrundet werden wollen um den Blick auf die nächsten Kilometer der Küste preis zu geben. Die vielen Wasserfälle, die selbst im Spätsommer noch ausreichend Wasser führen, um von der Kraft und der Höhe der Berge zu zeugen, denen sie entspringen.

Es ging mir bei der 10-tägigen Fahrt rund um Norwegen aber nicht nur um die Landschaft, es ging auch um die Frage, wie gut eignet sich eigentlich eine Kreuzfahrt für Kinder (und deren Eltern)?

Es galt zunächst einige Überzeugungsarbeit bei meinem Sohn(9) zu leisten, mit dem ich die Reise angetreten bin. Den Urlaub auf einem Schiff zu verbringen konnte er sich zunächst nicht wirklich vorstellen. So ziemlich die einzige bildhafte Idee einer Schiffsreise war das durch die Nachrichten hinlänglich geprägte Motiv des gestrandeten Schiffes vor der Küste von Giglio. Aber Dank des ausführlichen Informationsmaterials, das man vor Reiseantritt von der AIDA geschickt bekommt, konnten wir diese Bilder schnell durch andere, wesentlich positivere ersetzen und uns gemeinsam auf den Trip in den Norden freuen und vorbereiten.

Seit dem ich nach Hamburg gezogen bin, wünschte ich mir schon, mit einem der großen Schiffe den heimischen Hafen zu verlassen und den Urlaub quasi vor der Haustür (oder zumindest eine kurze Taxifahrt davon entfernt) beginnen zu lassen. Und das ist wirklich fabelhaft. In weniger als zehn Minuten ist man am Hafen, das gesamte Gepäck wird sofort von eifrigen Helfern in Empfang genommen und man kann direkt mit der Erholung, zumindest einem ersten Drink auf Deck, beginnen. Und von dort dem Schiff beim Auslaufen aus dem Kreuzfahrtterminal und der überraschend zügigen Fahrt elbaufwärts beiwohnen. Nebenher haben wir noch einen ersten Ausflug in den Pool gewagt, immerhin verliessen wir Hamburg an einem fantastischen Sommerwochenende.

AIDA bietet auf allen Schiffen ein Kinderbetreuung an, aufgeteilt nach insgesamt fünf Altersklassen: Seepferdchen (3-6 Jahre), Delfine (7-9 Jahre), Sharks (10-11 Jahre), Orkas (12-13 Jahre) und für Teens ab 14. Herzstück dabei ist der KidsClub, ein eigener Bereich auf dem Schiff, inkl. eigenem Pool und Außendeck.

Wir hatten das Glück, eine Kabine mit erstaunlich großem Balkon am Heck des Schiffes beziehen zu können. Von hier aus hatte man nicht nur einen fabelhaften Ausblick auf das Meer und die Fjorde, sondern gleichermaßen einen Blick von oben auf das Geschehen auf dem Außendeck des Kidsclubs einige Etagen tiefer.

Und genau wie bei dem restlichen Programmangebot haben wir es auch mit der Kinderbetreuung gehandhabt: Der kleine Mann hat manche der Angebote wahrgenommen, aber eben nicht alles und nicht jeden Tag. Immerhin wollten wir auch Zeit gemeinsam verbringen, Exkursionen unternehmen und natürlich auch die zahlreichen Mahlzeiten gemeinsam einnehmen. Aber, durch ein gut und vor allem regelmässig organisiertes Kinderprogramm, lernen sich die Kids natürlich schnell kennen und verabreden sich auch zu gemeinsamen Aktivitäten ausserhalb des Rahmenprogramms. Denn natürlich ist es für Kinder essentiell zwischendurch auch immer gleichalterige Spielkameraden zu haben.

So hat sich diese Annahme direkt während der ersten Reisetage bestätigt: Eine Reise auf einem Clubschiff wie der AIDA ist für Kinder ohne Frage ideal, auch ausserhalb des KidsClubs ist nahezu alles auf die jungen Gäste eingestellt.

Übrigens auch in kulinarischer Hinsicht. Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl von Restaurants zwischen denen man wählen kann. Üblicherweise aufgeteilt in Büffetrestaurants und kleinere á la Carte Restaurants. Auch in den ersteren ist die Produktqualität mitunter überraschend hoch. Insbesondere die Auswahl an frischem Obst und die zahlreichen Stationen, in denen dies individuell für die Gäste aufgeschnitten und arrangiert wird, ist vorbildlich. Aber auch an den klassischen und durchaus groß dimensionierten Büffetstationen ließ sich mitunter wirklich gut essen. Allerdings – und das weiß man sicher, wenn man mit einem Schiff wie der AIDAluna in See sticht, sind dies natürlich dann doch eher Massenveranstaltungen, die einer (zugegeben, sehr guten) Kantine um 12:30 in nichts nachstehen. Es ist voll und wuselig, die große Offenheit gegenüber Kindern zeigt sich auch hier. Was ausnahmsweise nicht ausschließlich positiv ist. Es wird selbstverständlich auch auf der AIDA zum Dinner um angemessene Kleidung gebeten. Kontrolliert wird dies offensichtlich nicht, oder eine neue, mir bislang verborgen gebliebene Regelung der Etikette empfiehlt neuerdings auch Erwachsenen kurze Hosen und Sandalen Abendveranstaltungen.

So haben wir uns (geplant und erwartet) eher auf die á la Carte Restaurants zurück gezogen und auch häufiger in der fast durchgehend geöffneten Pizzeria Rast gemacht. Ein fairer Kompromiss, fanden wir beide.

Das Rossini, also das Gourmetrestaurant an Bord, fand dabei wenig überraschend, die größte Zustimmung bei mir. Hier haben wir in der Tat sehr gut gegessen und gesessen. Ein ruhiges und wirklich durchgehend schön gestyltes Ambiente sowie ein kleines und aufmerksames Serviceteam haben uns durch zahlreiche gute Gänge geführt. Allerdings habe ich aus Rücksicht auf den kleinen Mann sowohl das elf Gänge Menü als auch ein Nordic Cuisine Menü zum Ende der Reise ausgelassen. Statt dessen gab es Pizza und Rotwein aus der Karaffe. Auch fein. Genauso das Buffalo Steakhouse und die kleine Sushibar. Allerdings zeigten sich insbesondere hier die vielen rechtlichen und hygienischen Ansprüche an Küchen dieser Größe. Immerhin arbeiten mehr als 130 Teammitglieder an den verschiedenen Posten – und speisen täglich 3.000 hungrige Münder. So wird nahezu alles was auch nur ansatzweise Roh ist doch sehrkalt gereicht. Sowohl das Sushi, als auch das Carpaccio, Tatar – alles eigentlich. Nach ein paar Tagen und einigen Gesprächen darüber haben wir aber auch hier einen Weg gefunden und meine Gericht einfach etwas eher bereit gestellt, damit diese auf Temperatur kamen.

Neben den zahlreichen Ausflügen ans Festland und den vielen Veranstaltungen an Bord, boten auch die Restaurants ganz unterschiedliche Kurse an. Dabei reicht das Spektrum von Fruit Carving über die richtige Entwicklung von Soßen, vom perfekten Braten von Steaks bis zur Zubereitung von Sushi. Letzteren Kurs haben wir uns ausgesucht und wurden von dem sehr freundlichen Team der Sushibar in die Kunst perfekte Makis zu rollen eingewiesen.

Natürlich ist nicht alles gold, was glänzt. Manches nicht mal Edelmetall. Die AIDAluna kann sich nicht mit Schiffen der Premium Kategorie messen. Will sie auch nicht sein, genauso wenig wie die aktuell neun anderen Schiffe der Flotte. Sie adressiert ein anderes Publikum. Und eine andere Kostenstelle. Nichts desto trotz kann man auch auf einem so großen und wuseligen Schiff sehr kommod reisen und neue Regionen der Welt entdecken. Auch mit Kindern. Vielleicht sogar vor allem mit Kindern. Ganz dringend ans Herz legen kann ich nur die Wahl einer nicht zu klein dimensionierten Kabine, idealerweise mit Balkon. Den so geschaffenen Rückzugsbereich aus dem phasenweise sehr abwechslungsreichen Leben an Bord, haben wir beide jedenfalls sehr gerne und häufig genutzt. Und dort, in der Hängematte zu liegen, mit dem kleinen Mann in Ruhe Zeit zu verbringen, nebenbei Wasserfall um Wasserfall vorbeiziehen zu sehen, gemeinsam zu überlegen an welchem Ort wir am nächsten Tag anlegen, wo wir essen wollen und ob und welche Show wir uns vielleicht ansehen, das ist ganz und gar fabelhaft. Letztlich bietet eine Reise auf der AIDA aber beinahe zahllose Möglichkeiten, diese ganz nach eigenem Interesse und Schwerpunkt auszugestalten.