von Oliver Wagner am 24. August 2012

Kaum eine Küche, die ich in ihrer ursprünglichen Form attraktiver finde als die asiatische. Dabei gibt es zwischen der vietnamesischen, thailändischen oder auch den vielen Strömungen der chinesischen Küchen ein extrem großes Spektrum.

Aber, ganz egal ob in Saigon, in Bangkok oder eben in Shanghai: Erst die vielen kleinen Garküchen verleihen den Städten ihren typischen, abwechslungsreichen Duft und vereinen schnelles, günstiges und (zumeist) gesundes Essen. Sie sind die quirlige und kulinarische Seele, Wurzeln wie Tradition, wichtige Bollwerke gegen die gastronomische Globalisierung und vor allem die tägliche Nahrungsquelle für viele Millionen von Menschen.

In Shanghai Strassenküchen – Menschen, ihre Geschichten und Rezepte beschreiben Julia Dautel und Nicole Keller (Fotos) nicht nur zahlreiche Gerichte, sondern erzählen auch die Geschichten der Menschen hinter den Ständen.

Das erst jüngst erschienene Buch lebt von einer interessanten, teilweise sogar etwas sperrigen Ästhetik, die im Vergleich zu vielen anderen Kochbüchern deutlich weniger clean, generisch und synthetisch wirkt.

Die Komplexität der Rezepte ist dabei höchst unterschiedlich, die meisten der 50 Gerichte entfalten ihren Reiz aber sicher eher in den Straßen Shanghais als in unseren Küchen. Inspiration bieten sie aber allemal und in meinem konkreten Fall stehen unter anderem folgende Rezepte ganz vorne auf der Wunsch- und Probierliste:

Niuroutang
Rinderbrühe nach Lanzhou-Art

Roujiamo
Die ältesten Hamburger der Welt

Mala Doufu
Betäubend scharfer Tofu

Ich mag diese Kombination aus Rezepten und Geschichten sehr gerne und entdecke für mich immer wieder, dass man ein so aufbereitetes Buch ganz anders liest als eine reine Rezeptsammlung. Einer meiner persönliche Favoriten aus dieser Kategorie ist immer noch die Küche totalitär: Das Kochbuch des Sozialismus von Wladimir und Olga Kaminer.

Allerdings hat letzteres bei weitem keine so schönen und stimmungsvollen Bilder wie die Shanghai Strassenküchen.