von Oliver Wagner am 27. September 2018

Die Kolonne fährt zügig den Berg hinauf. Drei schwarze Vans mit verspiegelten Scheiben holpern durch Schlaglöcher, erklimmen steile Feldwege und kommen schließlich auf einer Anhöhe zum Stehen. Vor uns liegt eine traumhafte Aussicht, rund über die Weinberge des Asti. Dazu ein langer gedeckter Tisch mit lokalen Köstlichkeiten und einigen gut gefüllten Weinkühlern mit diversen Flaschen und Varianten von Asti und Prosecco.

Picknick über den Weinbergen in Asti


Martini Prosecco in seiner natürlichen Umgebung

Denn genau um diese Weine drehte es sich bei meinem jüngsten Ausflug ins Piemont und dem finalen Picknick oberhalb der Weinberge: Schaumweine aus dem Hause Martini. Die Tradition ist alt. Bereits seit der Firmengründung 1863 wird von Martini et Rossi neben dem weltbekannten Wermut auch Asti und Prosecco hergestellt. Fast ausschließlich nach der Martinotti-Methode, also in Stahltanks mit starkem Druck. Einige Ausflüge in die Méthode champenoise gab es auch, derzeit besinnt man sich für das reguläre Programm aber auf die Wurzeln des Unternehmens und gärt im Tank, nicht in der Flasche.

Während der Reise durch die Region habe ich die Gelegenheit, den gesamten Prozess von A-Z zu begutachten. Wobei sich die Art der Herstellung je nach Produkt grundsätzlich unterscheidet. Der Asti wird vollständig in eigener Regie von Martini produziert. Etwa 300 Weinbauern aus der gleichnamigen Region haben sich als Conferenti dem Hause angeschlossen und liefern ihre Trauben in das Werk in Santo Stefano Belbo. Hier wird aus den Trauben der Most gewonnen, um später in der großen Weinkellerei in Passione verarbeitet zu werden. Wir sind passenderweise genau während der Weinlese vor Ort. 2018 ist ein gutes, aber kein sensationelles Jahr, für die hügelige Region.

Der Ertrag ist gut, die Qualität liegt aber etwas unter dem üblichen Standard. Wie überall hat man auch hier mit dem extremen Wetter zu kämpfen. Überhaupt ist die Lese auf den Weinbergen des Piemont eine beschwerliche. Kleine Parzellen, zumeist in Hanglage, lassen sich nur manuell bewirtschaften. Die Muskateller-Trauben allerdings profitieren davon. Sie sind süß, lassen die typische leichte Säure aber bereits eindeutig erkennen. Durch die karge Hanglage und die damit einhergehende Unterversorgung mit Nährstoffen sind sie prädestiniert für die Schaumweinproduktion. Die Hefen finden in dem Most dieser Trauben weniger Nahrung und die Fermentation kommt zügiger zum Erliegen. Das der Most bereits unvergoren eine Köstlichkeit ist, können wir unmittelbar nach dem Pressen der Trauben vor Ort probieren.

Am Stammsitz des Hauses Martini in Pessione bei Turin beginnt dann der eigentliche Prozess der Veredelung. Im Gegensatz zum Asti wird für den Prosecco mit zugekauften Grundweinen anderer Produzenten gearbeitet. Das ist zum einen der schieren Menge geschuldet, die hier produziert wird – immerhin ist Martini der größte Produzent von Prosecco in Italien. Zum anderen gibt die Flexibilität beim Einkauf unterschiedliche Basisweine Head Winemaker Livio Prandi erst die Möglichkeit, jedes Jahr Cuvées in nahezu identischer Qualität und Aromatik zu entwickeln. Ein spannender Job. An mindestens einem Tag in der Woche zieht sich Prandi in sein Büro zurück, verriegelt alle Türen, schaltet die Telefone ab und verkostet. Das Cuvée entsteht zuerst im Kopf. Erst dann werden die Bestellungen ausgelöst und die Produktion beginnt nach seiner Rezeptur. In dieser Phase gilt es Fehler zu vermeiden, die Verantwortung groß. Die Auswahl der Trauben variiert natürlich je Produkt, teilweise aber auch je nach Markt. So wird für den amerikanischen Martini Rosé Extra Dry eine andere Rezeptur verwendet als für den in Europa erhältlichen.

Die Weine werden in riesigen, temperaturgesteuerten Stahltanks, sogenannten Autoclavi, durch die Martinotti-Methode in einen zweiten Gärprozess geführt. Beim Martini Prosecco DOC und Rosé Extra Dry dauert diese zweite Gärung rund einen Monat, beim Martini Brut mehr als doppelt so lange. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, werden die Weine unter Druck abgefüllt.

Als besonderes Highlight der Führung durch das Werk in Passione können wir eine breite Auswahl der aktuellen Schaumwein-Range von Martini direkt in der Produktionshalle verkosten. Das Museum vor Ort, das die Geschichte von Martini sehr spannend inszeniert, steht übrigens nicht nur Fachbesuchern zur Verfügung. Weinmacher Marco Boero erweist sich dabei als überaus kompetenter Experte und führt uns durch die individuellen Herstellungswege, Cuveés und Aromaprofile der Weine. Das Spektrum unserer Verkostung reicht dabei von Martini Brut (aus Chardonnay, Trebbiano und Garganega), Martini Prosecco DOC (Glera, Pinot und Garganega), Martini Rosé Extra Dry (Riesling Italico, Chardonnay, Trebbiano und Nebbiolo) über Martini Asti DOC und Martini Asti.

Seit 2018 auch in Deutschland erhältlich

In Deutschland sind seit diesem Jahr drei der hochwertigen Spumante von Martini erhältlich: Martini Brut, Martini Prosecco DOC und Martini Rosé Extra Dry.

Die Martini-Range für den Deutschen Markt

Als wir zu unserem rustikalen Picknick auf der Anhöhe über den Weinbergen eintreffen, sitze ich gemeinsam mit Livio Prandi am Tisch. Dem Head Winemaker von Martini. So viel geballtes Wissen und Liebe zum Produkt ist mehr als beeindruckend. Großartig, dass ich direkt mit einem maximalen Faux-Pass in das Gespräch starte: In mein Glas Martini Asti gebe ich großzügig einige Eiswürfel. Nach meinem Gusto ist eine Trinktemperatur um 6 Grad ideal, bei Außentemperaturen von 32 Grad müsste man schon sehr schnell trinken, um diese bis zum letzten Schluck beizubehalten. Natürlich blutet dem Master Blender das Herz bei diesem robusten Vorgehen. Aber so kommen wir dazu ins Gespräch und ich erfahre, dass ich mit meinen Ansinnen überhaupt nicht allein bin. Derzeit entwickelt Livio Prandi neue Ice Varianten des Asti, die genau so gearbeitet sind, dass sie mit Eis perfekt funktionieren. Etwas mehr Süße und etwas kräftigere Grundaromen sollen so mit dem Eis besser harmonieren. Außerdem gab er mir den Tipp, wenn dann gleich richtig viele Eiswürfel zu nehmen. Diese halten die Temperatur konstanter, somit wird weniger Wasser abgegeben und der Geschmack bleibt unverfälschter. Später setzt sich Giorgio Castagnotti, Produktionsleiter Martini, zu uns an den Tisch, um einen weiteren Ausblick auf aktuelle Produkte und geplante Neuentwicklungen zu geben. In seinem Glas ein Martini Prosecco DOC. Mit Eiswürfeln. Ich bin wieder entspannt.

Je frischer, je besser!

Im Gegensatz zu anderen Schaumweinen, wie zum Beispiel dem Champagner, ist es für Asti und Prosecco wichtig, ihn so frisch und jung wie möglich zu konsumieren. Statt langer Lagerung sollten die Martini Spumante also schnell in den Kühlschrank und dann, am besten als Aperitivo mit ein paar kleinen Köstlichkeiten, zügig getrunken werden.

Bereits vor unserer Tour durch die Region hatte ich die Gelegenheit mich ausführlich mit Marco Mazzini in Turin zu unterhalten. Eine Zusammenfassung unseres Gespräches gibt es zusammen mit einigen Impressionen des Trips in diesem Video zu sehen.

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