von Oliver Wagner am 1. Oktober 2018

Als erster deutscher Koch wurde Christian Bau für seine Verdienste um die Spitzenküche mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Huldigung aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zugleich eine große Ehre, aber für den Drei-Sterne-Koch auch Grund zur Kritik an der Wahrnehmung der Kochkunst in Deutschland.

Bis dato wurden vor Bau nur zwei weitere Spitzenköche ausgezeichnet: Harald Wohlfahrt für seine Verdienste um die Tourismusförderung in Baden-Württemberg und Heinz Winkler für sein Wirken als Arbeitgeber. Und nun erstmals Christian Bau für den Kern seines Schaffens: Die Kochkunst.

In einem vielbeachteten Interview mit der Süddeutschen Zeitung rechnet Christian Bau mit der Wahrnehmung seiner Branche durch die Politik ab. Hunderte Schriftsteller, Musiker, Maler und Schauspieler wurden ausgezeichnet – aber keine Spitzenköche?

Die Politik verachtet uns. Wir sind für diese Leute die “Gourmettempel”, die Dekadenten mit dem Hummer, dem Kaviar, den Trüffeln. Das meiden Politiker wie der Teufel das Weihwasser. Zu mir kommen Gäste aus Tokio, aus New York, aus Paris. Wissen Sie, wer nicht kommt? Der saarländische Ministerpräsident. Oder seine Vorgängerin. Oder deren Vorgänger.

In seiner so typischen und bescheidenen Art nimmt Christian Bau diese Ehre stellvertretend für die Kolleginnen und Kollegen der deutschen Spitzengastronomie entgegen. Für alle Köche des Landes, die mit den gleichen Problem zu kämpfen haben. Von der großen Sorge um den Nachwuchs über die Imageprobleme der Stenegastronomie bis zur ganzen Bürokratie in Deutschland. Es schwingt viel Ärger über die Missachtung einer ganzen Branche mit. Aber ist es so erstaunlich? Christian Bau wurde in diesem Jahr vom Gault&Millau zum Koch des Jahres gewählt. Für das Saarland ist das Victor’s Fine Dining mit seinen höchsten Auszeichnungen das kulinarische Aushängeschild. Aber nimmt die Politk das überhaupt war? Reaktionen gab es jedenfalls exakt keine. “Wenn in Frankreich der Restaurantführer Guide Michelin veröffentlicht wird, dann findet ein Staatsakt im Élysée-Palast statt, und der Präsident hält eine Rede.” Davon sind wir leider noch meilenweit entfernt. An staatliche Unterstützung oder Subventionen denkt Christian Bau nicht. “Aber es wäre ein Anfang, wenn man aufhören würde, uns das Leben schwer zu machen. Wir ersticken in Bürokratie.”

Vor einigen Tagen habe ich mich mit Christian Bau getroffen und natürlich bereits zur angekündigten Auszeichnung gratuliert und einige weiter wichtige Aussagen von ihm aufgezeichnet:

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