von Oliver Wagner am 16. Februar 2013

Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren das Bild von rein vegetarischen Restaurants deutlich gewandelt. Auf der anderen Seite haben trotzdem immer noch zu viele traditionelle Restaurants große Schwierigkeiten, interessante Gerichte ohne Fisch und Fleisch anzubieten. Risotti und Pasta bleiben oft die einzige Optionen.

Das Vanilla Black geht einen ganz eigenen, wunderbaren Weg. Einen Weg, der vegetarisches Essen in einem Ambiente bietet, das auch in London sicherlich als posh durchgehen würde. Fine Dining also und vom Michelin empfohlen.

Alle Gerichte auf der Karte sind vegetarisch, gleichzeitig aber nicht nur auf Gemüse fixiert, Risotti und Pasta sucht man vergebens, Anklänge an britische Spezialitäten hingegen lassen sich allenthalben erkennen. Der Gast kann zwischen kleinen Menüs mit zwei oder drei Gängen (£28.00 bzw. £38.00) sowie jeweils sechs Vorspeisen, Hauptgerichten und Desserts wählen.

Zunächst muss man allerdings den Weg in den Tooks Court finden, denn zumindest mit dem Auto ist die kleine Straße in Londons Law Quarter, direkt neben der Chancery Lane, nicht zu erreichen. Die Suche, soviel sei allerdings versichert, lohnt sich. Wir fühlten uns sofort freundlich empfangen und in dem klassisch, reduziertem Ambiente unmittelbar heimisch. Beides ein Verdienst des tadellosen und sehr persönlichen Services unter Leitung von Donna Conroy.

Nach einem kleinen Gruss aus der Küche von Andrew Dargue, startete ich mit einem Slow Cooked Duck Egg with Smoked Cucumber, Dill Brioche, Seed Biscuit and Mustard Paste.

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Und spätestens an diesem Punkt war ich mir sicher: Langweilige, dem Hauptdarsteller beraubte kulinarische Vorstellungen sucht man hier vergebens. Das Ei war perfekt gegart, der kleine Salat von der geräucherten Gurke verbarg zunächst die Senfpaste, einmal entdeckt , stellte sich diese als genau das bindende Glied zwischen den einzelnen Komponenten auf dem sehr ansprechend drapiertem Teller heraus. Dank Brioche und Biscuit kein ganz leichter Auftakt.

Weiter ging es dann mit dem Fried Mushroom Mousse and Rosemary Sauce, Mushy Peas and Horseradish, Fennel and Whipped Lemon. Noch weniger leicht, dafür nur um Nuancen weniger köstlich. Die gebratenen Pilze wurden als sehr festes Mousse serviert, dazu der angebratene Fenchel, verschieden Soßen und Schäume.

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Nach zwei üppigen Gängen hätten wir uns fast gegen das Dessert entschieden. Glücklicherweise siegte Experimentierfreude über die Vernunft und so wurde auf beiden Seiten des Tisches noch das Green Pepper Crème Brulée and Lemongrass Chocolate, Ginger Beer Sorbet and Toasted Rice and Coconut gereicht.

Vanilla Black, London

Nach kurzer Irritation entpuppte sich das Dessert als der heimliche Favorit des Abends. Nicht nur köstlich, sondern extrem gut durchdacht und dabei aber überhaupt nicht aufgesetzt standen sich hier verschieden Aromen in ganz unterschiedlicher Textur gegenüber, geeint durch die Schärfe die sich in verschiedenen Ausprägungen von der Crème Brulèe (Pfeffer), über das Sorbet (Ginger Beer) bis zum Mousse (Zitronengras) erstreckte. Aufgefangen nur, durch die cremigen Tupfer von der Kokosnuss. Außergewöhnlich. Und außergewöhnlich gut.

Das Vanilla Black ist eine unbedingte Empfehlung für alle London-Reisende. Vollkommen egal, ob Vegetarier oder Karnivoren.