von Oliver Wagner am 17. April 2013

In letzter Zeit besuche ich immer wieder Restaurants und frage mich: Warum gibt es eigentlich nichts vergleichbares in Hamburg? Ein toller Gastro-Pub wie das Ten Bells wäre dabei ohne Frage ganz weit vorne auf meiner kulinarischen Wunschliste für die Hansestadt.

Annie Chapman und Mary Kelly waren zwei der Opfer die Jack the Ripper 1888 im Ten Bells kennen lernte und später ermordete. So die eine Geschichte, die mir ein Taxifahrer auf dem Weg nach Spitalfields erzählte. Sogar einige Szenen aus einer Verfilmung mit Johny Depp (From Hell, 2001) spielen in dem 1752 erstmals an dieser Stelle eröffneten Pub. Eine andere Geschichte besagt, dass der Ururgroßvater von Jamie Oliver etwa zu dieser Zeit der Landlord des Pubs war. So führt auch eine Folge von Jamie’s Great Britain durch die Location. Die dritte und dabei zugleich jüngste Geschichte, die man sich erzählt war es, die für mich ausschlaggebend war, dem Ten Bells endlich einen Besuch abzustatten: Fantastisches Essen.

Upstairs at the Ten Bells, London

Was zunächst für einige Monate als Pop-Up Restaurant der Young Turks (James Lowe, Isaac Mchale und Ben Greeno) startete, hat sich mittlerweile zu einer viel besprochenen und oft gelobten kulinarischen Adresse entwickelt. Am Abend betritt man zunächst den im Erdgeschoss gelegenen und zeitlos viktorianisch wirkenden Pub. Idealerweise hat man vor der Reservierung noch Zeit für das ein oder andere Pint an der Bar. Durch eine kleine Seitentür gelangt man dann nach oben ins Upstairs.

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Leider waren die äußeren Umstände nicht die glücklichsten an diesem Abend. Wegen eines Personenschadens auf der Zugstrecke von Gatwick nach London saß meine erwartete Tischgesellschaft nicht wie geplant mit mir am Tisch, sondern für beinahe drei Stunden in einem Zug im nirgendwo. So leisteten mir dann zunächst die Buttermilk Chicken & Pine Salt Gesellschaft. Perfektes Fingerfood. Heiß, außen kross, innen zart, saftig und in Verbindung mit dem Salz und den Ästen der Pinie ein toller Snack zum Auftakt.

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Eigentlich dachte ich als Zwischengang die Smoked Mackerel Tartare, Nduja, Buttermilk & Focaccia bestellt zu haben, ein weiterer Signature Dish im Ten Bells. Etwas überrascht war ich, als statt dessen eine kleinen Zunge vom Rind serviert wurde. Aber kurz vor dem endgültigen Ende des Küchenservices möchte man über derlei Details auch nicht mehr ernsthaft diskutieren. Zumal sich die Veal Tongue, Pickled Red Meat Radishes, Bread & Bone Marrow Sauce als überraschend ausgewogenes Gericht erwies. Insbesondere die Sauce von Knochenmark und Brot hatte eine tolle, überraschende Konsistenz und verleih dem Gericht ein kräftiges Aroma und eine interessante Textur.

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Im schnellen Tempo schlossen sich dann Roast Lamb Saddle, Spelt, Artichokes & Nettles an. Ebenfalls ein eher schweres und durchaus intensives Gericht. Ganz besonders begeistert hat mich in der Kombination der Dinkel, der in reisähnlicher Zubereitung serviert wurde. Das Lamm hatte mir persönlich etwas zu viel Fett, aber das ist sicher Geschmacksache.

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Das Ten Bells hat ein tolles Konzept, eine sehr ansprechende kreative und moderne Küche und biete qualitativ hochwertige Gerichte zu wirklich sehr fairen Preisen. Eine unbedingte Empfehlung für jeden Londonreisenden.

Weitere Impressionen aus dem Upstairs At The Ten Bells:

Upstairs At The Ten Bells
84 Commercial Street
London E1 6LY
+44 (0)7530 492986
[email protected]

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