von Oliver Wagner am 8. Mai 2014

Thomas Struck und Karin Laudenbach: Filmrezepte
70%Gesamtpunktzahl
Inhalt64%
Konzept79%
Design75%
Fotos60%
Praktikabilität70%
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78%

Es ist eigentlich ein so naheliegender Gedanke, Film und Kulinarik in einem Werk zu vereinen. So nah liegen die beiden Disziplinen beisammen, sprechen und regen die Sinne an, leben beide gleichermaßen von dem Konzept und der Finesse hinter den Kulissen. Ein perfect Match. Sollte man meinen. Immerhin liegt die erste Filmvorführung schon 120 Jahre zurück, gekocht wird schon etwas länger. Aber bis dato ist Filmrezepte der erste Titel der beides in einem Kochbuch vereint.

Und das auf höchst unterhaltsame und vor allem sehr kompetente Art und Weise. Der Autor Thomas Struck arbeitet bereits seit 1966 als freier Regisseur und Filmemacher, zudem ist er als Kurator für kulinarisches Kino bei mehreren europäischen Film Festivals engagiert. Und ein leidenschaftlicher Genießer, wie ich bei einem gemeinsamen Essen zur Vorstellung des neuen Buches im Hamburger Koch Kontor erfahren konnte.

Foto: Callwey, Jörg Lehmann

Foto: Callwey, Jörg Lehmann

Gemeinsam mit Drehbuchautorin Karin Laudenbach ist es gelungen, einen spannenden Bogen von großen und bekannten Filmen hin zu kleineren und weniger im Mainstream verankerten Klassikern zu schlagen und dabei insgesamt 13 Köche als Paten für die Filme zu gewinnen.

Aber auch für die Köche, so erzählte Thomas Struck, war die Arbeit an dem Buch nicht nur Herausforderung, sondern oft echte Passion und ging meist einher mit echter Begeisterung für die Filme ihrer Wahl.

Entstanden sind so 25 Menüs aus der Feder von Lea Linster, Tim Raue, Christian Lohse, Sonja Frühsammer, Bobby Bräuer, Marco Müller, Cornelia Poletto, Johannes King, Michael Kempf, Kolja Kleeberg, Michael Hoffmann, Edward Espe Brown und Antoni Aduriz.

Dabei gehen die Köche ganz unterschiedliche Wege. Teils naheliegende, in dem sie ein Gericht, das eine zentrale Rolle in einem Film spielt, zubereiten oder neu interpretieren. Teils befassen sie sich eher mit der Essenz eines Gerichtes oder mit dem Gefühl, das dadurch transportiert wird. So würde man vielleicht erwarten, dass das begleitende Rezept zu Ratatouille eben dieses Ratatouille ist, das Rémy gegen Ende des Filmes dem strengen Kritiker Ego serviert und das ihn in seine Kindheit zurück versetzt. Johannes King zeichnet für diese Interpretation verantwortlich und steuert dazu ein Rezept für gefüllte Gemüsezwiebeln mit Grünkernrisotto bei. Zunächst erstaunlich. Aber eben dieses Gericht löst genau diesen Effekt bei ihm aus und ruft seine Kindheitserinnerungen aus dem Schwarzwald direkt wieder herbei. So wird nicht nur die Geschichte des Films weiter erzählt, sie erfährt auch noch eine persönliche Dimension durch eben diese Interpretation.

Foto: Callwey

Foto: Callwey, Jörg Lehmann

Fotografiert und in Szene gesetzt wurden die Gerichte von Jörg Lehmann, der sonst neben europaweiten Buchproduktionen auch für einschlägige Magazine wie “Der Feinschmecker” oder “essen & trinken” unterwegs ist.

Das Buch will mit seinen Rezepten anregen wieder gemeinsam zu kochen, gemeinsam gute Filme zu geniessen und beides zu verbinden. Die wichtigste Zutat, so verriet Thomas Struck, ist bei allen Rezepten die Zeit. Alles andere ist leicht umzusetzen.

Eine magische Essenz

Eine magische Essenz

Bei unserem gemeinsamen Lunch im Koch Kontor konnten wir zwei Rezepte aus dem Buch kosten. Zum einen die “magische Essenz”, einer Suppe, die eine zentrale Rolle in Tampopo spielt. Hier von Tina Olufs nach dem Rezept von Michael Hofmann umgesetzt. Auch der zweite Gang, ein Bœuf bourguignon nach Cornelia Poletto (basierend auf Julia Childs Geschichte in Julie & Julia) war ganz vorzüglich.

Ein tolles Buch, für alle die sich auch nur Ansatzweise für gutes Essen, gute Filme und die vielen Geschichten dahinter interessieren – oder schlichtweg auf der Suche nach einem Buch mit vielen höchst unterschiedlichen Rezepten und Menüs aus der Feder so zahlreicher Köche sind.



Thomas Struck und Karin Laudenbach: Filmrezepte
192 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: Callwey
Erschienen am 18. Februar 2014
Preis: € 39,95


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