von Oliver Wagner am 16. Dezember 2015

Dubai. Die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Orientalische Megacity. Aber, machen wir es kurz: Aus kulinarischer Sicht alleine lohnt die Reise nach Dubai nicht. Man kann uns nicht vorwerfen, wir hätten nicht die unterschiedlichsten Experimente unternommen. Egal ob Streetfood, Fine-Dining oder typische lokale Produkte: Nichts hat uns wirklich so richtig begeistert. Und viele der importierten Köstlichkeiten essen wir lieber in deren Stammhäusern, statt in den Dependancen in Malls und Hotels.

Das wohl denkwürdigste Dinner hatten wir im 42. Stock des Sofitel Downtown. Sky Table nennt sich das Konzept. Ein privater Dining Raum für maximal vier Personen. Eingerichtet in einer umgewidmeten, ehemaligen Küche des Hauses. Zugänglich nur mit persönlicher Begleitung, quer durch das Hotel, durch diverse Fahrstühle und die letzten Meter auch noch durch den Personaltrakt.

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Direkt hinter dem Tresen an dem die Gäste Platz nehmen, öffnet sich dann allerdings ein beindruckender Ausblick über das nächtliche Dubai. Gleich gegenüber der Burj Khalifa, das derzeit noch höchste Gebäude der Welt. Zu Füßen die wuselige Metropole, im zwanzig Minuten Takt tanzen die Wasserspiele der Dubai Fountain – und überall drehen sich geschäftig die Baukrähne. Das ist nicht viel weniger als spektakulär. Extrem romantisch soll es zudem sein. Dafür wurde nicht an Rosenblättern und Kerzen gespart, die zur alleinigen Illumination des Raumes im Einsatz sind.

Lediglich das Dinner, das wir bereits viele Wochen im Vorfeld reserviert und sogar bereits in zahlreichen E-Mails hin und her (insgesamt deutlich über 20!) en Detail ausgewählt haben, war weit weniger spektakulär.

Foiegras mit Brioche und Feigen Chutney, Gegrillte Tiger Prawns mit Spargel und Beurre Blanc auf meiner Seite der Sky Table, nebenan Couscous Salat und vegetarische Tian.

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Man mag einige Schwächen bei den Gerichten verzeihen. Die Küche, in der wir Platz nahmen, steht schließlich aktuell keinem Koch zur Verfügung. Statt dessen wir das Essen aus den großen Küchen in anderen Etagen des Hotels in einem Warmhaltewagen in unseren Bereich transportiert. Ganz ähnlich, als würde man den Roomservice bemühen. Dadurch sind die Produkte weder heiß, noch á la minute zubereitet. Der Aufwand erklärt auch, warum es drei große Gänge sind und nicht ein paar mehr, aber dafür kompaktere Teller. Aber möchte man all diese Umstände verzeihen, bei einem Dinner, für das regulär* 300€ pro Person (ohne Getränke) kalkuliert wird?

Ein weiteres Manko war die Temperatur des Raumes. 16 Grad mögen für eine Küche in der hart gearbeitet wird kühl, aber vielleicht dennoch völlig in Ordnung sein. Für ein Dinner empfanden wir es als deutlich zu kalt. Schließlich gelang es, die Klimaanlage vollständig abzustellen. Temperatur und Stimmung stiegen parallel zu fast unvermuteten Höhenflügen. Allerdings – und das ist die Kehrseite der Romantik, waren die ganzen kleinen und großen Kerzen, die allenthalben in der Küche platziert waren, mit intensiven floralen Duftaromen versehen. Die nun, ohne Klimanlage ihre volle Wirkung entfalten konnten und so auch jede noch so intensive olfaktorische Wahrnehmung der Speisen überdeckte. So konnte man wechselweise wählen, zwischen arktischer Kälte oder einem Duft gleich einem künstlichen Rosengarten…

Lässt man diese gravierenden Aspekte einmal außen vor, so ist natürlich der Ausblick in der Tat sensationell. Die Privatsphäre, die man im Rahmen hier genießt ebenfalls unschlagbar. Und der Service war auch großartig. So bleibt dennoch eine schöne Erinnerung an einen schönen Abend – und einiges an Potenzial, was hier oben in der 42. Etage noch geweckt werden kann…

Kulinarisches Dubai

Viele weitere kulinarische Ausflüge führten uns in die verschiedenen Malls, die in Dubai das tägliche Leben prägen. Kein Wunder, bei sommerlichen Außentemperaturen von bis zu 50 Grad. Mitunter kann man dort sogar ganz gut essen – unsere süßen Highlights wurden allerdings aus Paris importiert. Fauchon hat in der Dubai Mall, im Zentrum der Fashion Hall, eine sehenswerte Dependance. Und fabelhafte Éclairs!

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Ein weitere Import sind die Dim Sum von Ping Pong aus London. Leider kein lokaler Bezug im Hinblick auf die Auswahl der Produkte- und Gericht auf der Karte  – und im direkten Vergleich kann die Qualität der Dim Sum bei Weiten nicht mit denen von Din Tai Fung (einer eher im asiatischen Raum beheimateten Ketten) oder gar dem Yauatcha in London (meine Lieblings Dim-Sum-Restaurant) mithalten.

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* Wir wurden dankenswerterweise zu Pressekonditionen im Sky Table eingebucht. Dadurch reduzierte sich der Preis für das Dinner um 50%. Einfluß auf meine Berichterstattung nahm das offensichtlich nicht.