von Oliver Wagner am 17. Dezember 2014

Zu gerne würde ich manchmal in fremden Haushalten beobachten, wie dort das Abendbrot zelebriert wird. Oder vielmehr, ob es überhaupt zelebriert wird. Denn eigentlich hat diese traditionelle Mahlzeit im deutschsprachigen Raum schon seit geraumer Zeit ganz schön an Boden verloren hat. Statt dessen findet auch bei uns gegen Ende des Tages die warme Hauptmahlzeit statt und verdrängte so die klassische Vesper. Auch bei mir zu Hause ist das nicht anders, meistens wird Abends gekocht, mal mehr und mal weniger aufwändig.

Ab und zu geht aber dennoch nichts über eine zünftige Brotzeit, mit ausgewählten guten Produkten. Butter, einem guten Käse, etwas eingelegtes oder frisches Gemüse – und natürlich Wurst und Schinken. Wobei letzteres nicht in Frage kommt, hat man vegetarische Freunde zu Gast. Da stellt sich eventuell die Frage nach einer Alternative. Mittlerweile bin ich auch nahezu undogmatisch in der Frage, ob es Sinn macht, bei vegetarischer oder veganer Ernährung auf Ersatzprodukte zurückzugreifen. Das mag jeder für sich und seinen Gaumen entscheiden, wie er möchte.

Das es aber eine Nachfrage nach vegetarischen Wurstwaren gibt, zeigt nicht zuletzt The Herbivorous Butcher, dem ersten veganen Metzger der USA, der nach einer erfolgreichen Kickstarter Kampagne vor einigen Wochen seine Arbeit aufnahm und jetzt Meat free Meats anbietet.

In genau diesen Trend, trotz des vollständigen oder teilweisen Verzichtes auf Fleischprodukte nicht ganz auf den Geschmack von Wurst verzichten zu wollen, passt es sehr gut, dass die Rügenwalder Mühle seit Dezember 2014 auch einige ihrer Produkte in einer fleischfreien Variante anbietet. Zwischen Schinken Spicker als Mortadella, mit Schnittlauch oder bunter Paprika kann der Vegetarier oder Flextarier wählen, zudem werden auch vegetarische Mühlen Frikadellen mit bunter Paprika angeboten.

Die Hauptzutaten der fleischfreien Produkte sind hochwertige Proteine (Ei- bzw. Eiweiß) und Rapsöl. Bei den vegetarischen Frikadellen sorgen zusätzlich Soja und bunte Paprika für die entsprechende Textur.

Für unser vegetarisches Abendbrot habe ich die vegetarischen Wurstwaren mit Broten von unserem Lieblingsbäcker Wiedenroth hier in Ottensen kombiniert. Mit etwas Olivenöl beträufelt und kurz und heiß angegrillt. Dazu französische Butter mit Meersalz, verschiedene Gemüse und zweierlei Sorten eingelegt Gurken. Ausserdem habe ich noch eine Hand voll Champignons mit ein paar Zwiebeln und einer gehackten getrockneten Aprikose schnell angebraten. Für ein weiteres Brot habe ich Büffelmozarella und Tomaten geschichtet, darüber noch etwas Pesto und viel Flur de Sel. Viel mehr braucht es eigentlich nicht zum Glück, vielleicht noch ein Glas Wein (auch der ist in diesem Fall ein passenderweise vegan produzierter Riesling von der Mosel).

Die wirkliche Frage lautet aber natürlich: Wie schmecken denn die vegetarischen Wurstwaren? Und die Antwort ist tatsächlich überraschend. Sie schmecken. Sogar fast genauso wie die originäre, aus Fleisch produzierten Schinkenspicker. Aber natürlich kann Rügenwalder dabei auf die exakt gleichen Komponenten und Gewürze zugreifen um eben diesen Geschmack zu erzielen. Dennoch erstaunlich. Einen ganz markanten Unterschied erkennt man allerdings in der Textur. Die ist in der vegetarischen Variante wesentlich softer und hat selbst mit dem denaturierten Fleischanteilen in der echten Mortadella wenig gemein. Aber das wäre vielleicht auch zuviel verlangt. In der Kombination mit einem knusprigen, frischen Brot und knackigen Gemüsen bleibt die Textur der Wurst aber ohnehin soweit zurück, das man keinen Unterschied merkt.