von Oliver Wagner am 1. Februar 2013

Das Au Quai liegt an einer der dunkelsten und weniger einladenden Ecken der Großen Elbstraße. Zumindest gewinnt man diesen Eindruck von außen. Zufällig kommt man hier eher selten vorbei. Um so erstaunlicher ist der wunderbare Ausblick auf Elbe und Hafen, der sich von innen durch die großen, bodentiefen Panormafenster im Gastraum und natürlich auch von der Terrasse aus, bietet.

“In dem von renommierten Hamburger Architekten umgebauten klassischen Kühlhaus präsentiert sich das Restaurant Au Quai mit franko-italienischer Raffinesse, die höchsten Ansprüchen gerecht wird” lässt sich das 2011 mit dem Location Award ausgezeichnete Restaurant (bzw. die Event Location) zitieren.

Nun ist die Definition höchster kulinarischer Ansprüche natürlich eine sehr individuelle. Und in unserem Fall, wurden die Ansprüche der Realität leider nicht ganz gerecht. Insgesamt ließ uns der Abend etwas irritiert zurück. Obwohl wirklich kein Mangel an Servicepersonal herrschte, standen wir zunächst eine ganz Weile in Erwartung eines Tisches oder zumindest irgendeiner Ansprache im Eingangsbereich. Nachdem wir dann erneut auf das Eindecken des Tisches und unseren Aperitif warten mussten, wechselte das Tempo nach der Bestellung schlagartig. Die bestellten Gerichte wurden viel zu schnell nacheinander serviert. Und auch die Koordination der Ansprache war nicht wirklich perfekt. Nachdem wir zunächst gar nicht nach unserer Zufriedenheit befragt wurden, erkundigten sich schlagartig und in rascher folge dann vier unterschiedliche Kollegen nach der Gesamtsituation an unserem Tisch: Ja, ganz ok, insgesamt – das müde Wortspiel bemühend, das sich in den Bewertungen auf Qype und Tripadvisor mittlerweile für das Au Quai durchgesetzt hat…

Nach einem kleinen Gruß aus der Küche startete ich mit einem Duett von Thunfisch & Riesengarnele mit weißer Gewürz-Schokoladen-Creme, Chili-Marmelade und Shiso Kresse. Das augenfälligste an dieser Kombination stellte sicher die Creme von der weißen Schokolade da und passte überraschend gut zu dem Thunfisch. Stellte damit aber zugleich den einzigen wirklich positiven Aspekt da. Der Fisch war durchgehen kalt und bot nicht das erwartete Spiel zwischen heißer Kruste und kühlerem Kern. Die Garnele war genau so, wie man sie sich nicht wünscht, also eher mehlig und deutlich zu lange gegart.

Au Quai - Tuna

Als Hauptgericht wählte ich die verlockend klingenden Geschmorten Iberico Spanferkelbäckchen mit Cranberry, Rosmarin, Petersilienwurzel und Pata Negra Chips. Und leider lag auch hier Licht und Schatten dicht, aber deutlich wahrnehmbar nebeneinander. Die Textur der Bäckchen war fabelhaft und zeugte von langem, intesiven Garprozess. Auch optisch so, wie man sie sich vorstellen würde. Aber, ein trügerisches Bild: Keine schweren Röstaromen, keine intensive, kräftige Kruste – sondern geschmacklich ausserordentlich und vollkommen unerwartet laff. Ein Spanferkelbäckchen nahezu für den Seniorenteller. Schade.

Au Quai - Bäcken Iberico

Die üppigen Gemüsebeilagen und der wunderbar passenden Cabernet Sauvignon stimmte mich milder, während auf der anderen Tischseite die Ziegenkäse Ravioli, Espuma von Basilikum, getrocknete ligurische Oliven & rotes Pesto verzehrt wurden.

Es war kein schlechter Abend, was allerdings nicht ausschließlich den kulinarischen Qualitäten des Au Quai zuzuschreiben wäre. Ganz tadellos und sehr sympathisch behielt allerdings Restaurantleiterin Carine Patricio selbst im zusehends trubeliger werdenden Umfeld das Wesentliche im Auge.

Vielleicht kommen wir im Sommer zurück, wenn man den Ausblick auf der Terrasse genießen kann. Womöglich um dann die Bouillabaisse von Fisch & Krustentieren zu probieren…

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