von Oliver Wagner am 12. Februar 2014

Obwohl ich in Paderborn aufgewachsen bin, endet mein kulinarischer Horizont im Hinblick auf Bier-, Hopfen- und Weizenprodukte glücklicherweise nicht mit Paderborner Pilsener. Einen Teil dieser Horizontöffnung habe ich schon seit einigen Jahren verschlungenen familiären Pfaden zu verdanken, die mich ab und an in den Genuss ausgefallener belgischer Biere bringen. Überhaupt, Bier ist ein so weites Feld, zum umfassenden Einstieg in all die Varianten und Abzweigungen kann ich mich nur wiederholen und diesen exzellenten CRE Podcast empfehlen.

Neulich gelangte eine größere Lieferung aus eben dieser familiär verschlungenen, belgischen Quelle in unsere Hamburger Versuchküche. Der Plan: Die Biere probieren und versuchen sie mit dem ein oder anderen Gericht richtig in Szene zu setzen.

Jandrain-Jandrenouille IV Saison

Ein Überraschungstreffer. Ich hatte bereits gelesen, dass es sich in bei dieser optisch durchaus ansprechenden Flasche (4,16 €) um eine klassische Variante eines Saison handelt, also einem leichten, fruchtigen und sehr frischen Bier.

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Roasted Chicken Soup und Jandrain-Jandrenouille IV Saison

So habe ich es mit (m)einer Hühnersuppe, der Roasted Chicen Soup, kombiniert, einer Suppe, die auf der Basis eines am Tag zuvor sehr kross und mit vielen orientalischen Aromen gebratenem und mit zwei kochenden(!) Zitronen gefülltem Bio-Huhn basiert. Sehr kräftig, dunkel, frisch, ziemlich scharf und sehr intensiv.

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Roasted Chicken (mit kochenden Zitronen gefüllt)

Dazu hat sich das Jandrain-Jandrenouille IV fantastisch geschlagen. Die zitronigen Anklänge, der frische Hopfen und die Aromen von Heu, Zitrus und Sommerwiese passen hervorragend. Ein tolles, leichtes und dennoch komplexes Bier, naturtrüb und in Belgien üblicherweise wohl eher für den Sommer gebraut.

St. Bernardus Abt 12

Die Flasche (0,75l für 5,57 €) verrät es auf den ersten Blick: Es handelt sich um ein Trappistenbier, allerdings nur der Historie nach, seit vielen Jahren schon wird St. Bernards ausserhalb von Klostermauern gebraut. Aber natürlich basierend auf den alten Rezepten.

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Quiche und St. Bernardus Abt 12

Der typische malzige Ton dominiert, in diesem Fall sehr deutlich und angenehmen nach Karamell schmeckend. Kombiniert mit sehr kräftiger Quiche, herbstlich, winterlich und sehr kräftig.

Abbaye des Rocs Triple Impériale und Struise Black Albert

Das Abbaye des Rocs Triple Impériale ist ein klassisches belgisches Strong Ale mit etwa 10% (0,75l für 6.75€). Ich habe es in einer typischen Kombination mit französischen Käse und Baguette verkostet.

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Abbaye des Rocs Triple Impériale

Optisch fand ich es weniger ansprechend, insgesamt dominierte mir sowohl die alkoholische Note sowie das starke Hefearoma zu sehr.

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Struise Black Albert

Noch hatte ich nicht geahnt, dass der zweite Kandidat des Abends, das Struise Black Albert, (3.97€) im Vergleich zum Triple Impériale nochmals eine Steigerung ist. Eine Steigerung sowohl in Hinblick auf den Alkoholgehalt (13%) als auch auf die Intensität. Bereits beim Einschenken des Biers der Kategorie (Russian) Imperial Stout fällt auf, dass es eine extrem hohe Viskosität hat, ölig ergießt sich das Bier in das Glas und bildet einen extrem dunklen und festen Schaum. Darunter verbirgt sich eine geschmackliche Intensität, wie ich sie bislang so noch nicht erlebt habe. Alles sehr schwer, sehr voll und sehr massiv. Aber, sehr malzig, deutliche Anklänge von Schokolade, Kaffe und natürlich Hefe. Der hohe Alkoholgehalt kommt zwar durch, ist aber nicht zu dominant. Ein spannendes Bier und ein toller Begleiter für kräftigen Käse.

3 Fonteinen Oude Geuze

Was mir beim Schreiben dieser Zeilen direkt wieder auffällt ist, wie unfassbar groß das Spektrum der belgischen Biere ist. Das 3 Fonteinen Oude Geuze (37,5 cl für €3.76)
hat so gar nichts gemein mit den beiden zuvor besprochenen schweren und sehr kräftigen Bieren.

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3 Fonteinen Oude Geuze

Ich habe es zu einem ganz leichten sommerlichen Essen kombiniert, Béchamel, Erbsen, Senf und Eiern. Dazu passt ein typisches Gueuze natürlich exzellent. Da der Prozess ein komplett anderer ist als bei den meisten anderen Bieren (es handelt sich ja nicht nur um ein Cuvée aus einem ein-, zwei- und dreijährigen Lambic, sondern wird dieses auch noch durch Spontangärung, also ohne Zugabe von Hefe entwickelt). Durch das feine Arome und das nut leichte Moussieren fühlt es sich viel leichter an, mit etwas Fantasie kann man den einschlägigen Beschreibungen durchaus folgen, die das Fonteinen Oude Geuze beinahe mit einem guten Champagner vergleichen. Eine ideale Kombination zu leichten Gerichten, sicher auch zu Fisch, Salaten und Krustentieren.