von Oliver Wagner am 14. Januar 2017

Bevor Jan-Philipp Berner und seine Söl’ring Hof Crew am 17. und 18. Januar im “Overture” kochen werden, möchten wir uns zunächst ein Bild von der eigentlichen Küchenphilosophie des Restaurants machen. Es ist eines von drei Restaurants von Bertus Basson, der nebenbei gesagt im März sein viertes Restaurant in Kapstadt eröffnen wird. “Overture” liegt auf der Weinfarm “Hidden Valley”, nahe der Stadt Stellenbosch. Auch hier sind wir beim Eintreffen erneut sprachlos. Nicht nur wegen der sehr schönen, modern-afrikanischen Inneneinrichtung und dem stilvollen Ambiente, sondern vor allem wegen des fantastischen Ausblicks.

2007 eröffnete Bertus Basson hier sein Casual Fine Dining Restaurant. Seine modernen Kreationen spiegeln den Geschmack der südafrikanischen Küche in jedem Falle wieder: proteinreich, deftig, voller Aromen. Dabei verliert er Traditionen jedoch nicht aus den Augen, authentisch eben. In der Küche verarbeitet er somit nur lokale Produkte. Und das Konzept kommt an: seit sechs Jahren befindet sich “Overture” konstant unter den Top 10 der besten Restaurants des Landes.

Wir nehmen Platz, genießen die herrliche Atmosphäre und freuen uns, endlich die Küche unseres Gastgebers probieren zu dürfen. Bertus 25 Jahre alten Küchenchef Rickey durften wir vorab schon kennenlernen. Wir sind sicher, auch er wird uns an diesem Abend kulinarisch begeistern.

Savory Sweet Donut

Unser 6-Gänge-Menü beginnt mit vier Grüßen aus der Küche. Zuerst werden uns süß-salzige Krapfen serviert, die mit einer leicht säuerlichen Pilzcreme gefüllt sind. Dazu gibt es, wie so oft in Südafrika, Aioli. Ganz schön heavy für den Anfang! Aber die Südafrikaner mögen es so. Und wir möchten authentisch essen.

Chef’s late night toasted cheese

Von dem nächsten Gruß wird uns gesagt, dass das Team diesen gern nach dem Service isst. Daher kommt also der Name. Der kleine Happen gefällt mir außerordentlich gut, vor allem der Käse, der als Schaum daher kommt und so schön leicht ist. Ein toller Kontrast zu den Crossinis.

The Olive Tree

Bertus Bassons “Olivenbaum” besteht aus Kohlstaub sowie verschiedenen Olivenvariationen, darunter eine Mousse, Creme und ein Schaum. Gleichzeitig erhalten wir frisches Koriander Ciabatta, mit dem wir diese leckeren Dips genießen.

Pork pate

Ich bin kein großer Pasteten-Fan. Doch diese Pastete vom Schwein mit Petersilienbirne und Senf ist klasse, vor allem mit dem Koriander-Ciabatta.

Olive oil poached yellowtail

Nachdem die Grüße relativ deftig und herzhaft waren, genießen wir nun als erste Vorspeise eine mit Olivenöl pochierte Gelbflossenmakrele, Beete, BBQ-Sellerie und Fenchelblüten. Die Bete sind von einer kleinen nahegelenen Farm und unglaublich aromatisch. Der BBQ-Sellerie haut mich um! Auch der Fisch ist von hervorragender Qualität.

The Duck Farm’s duck heart

Die zweite Vorspeise lässt sich schwer in Worte fassen, denn sie ist wahnsinnig gut. Zum Entenherz mit Gnocchi, Karottenpüree, Radieschen und Bronzefenchel sagt Jan-Philipp Berner: “Das ist bis jetzt das beste Gericht, das wir in Südafrika hatten.” Das Entenherz ist super zart und die Gnocchi sind so weich, dass sie förmlich am Gaumen schmelzen – das ist Balsam für meine Genießer-Seele.

Confit Sweetwell pork belly

Oh nein, pork belly, denke ich etwas ängstlich als kein großer Schweinefleisch-Fan. Doch der erste Hauptgang, konfierter Schweinebauch mit Kürbis und Sonnenblumenkernen, ist vielleicht sogar mein persönlicher Favorit des ganzen Abends. Kross gebraten, das Fleisch noch zart, dazu unglaublich intensive Aromen auf dem Teller – lecker!

Chalmar Sirloin

Die Südafrikaner lieben Blumenkohl, der auch Bestandteil des nächsten Gangs ist. Es gibt Beef Sirloin mit heiß geräucherter Short Rib Krokette und Grünkohl. Der Blumenkohl ist augenscheinlich im Ofen schön kross gebacken und gut gewürzt, die Blumenkohl Creme dazu ist ein Gedicht. Das Sirloin ist unglaublich zart, die Short Rib Krokette hat einen intensiv rauchigen Geschmack, der meine Geschmacksnerven kurz tanzen lässt. Sie ist lecker, aber ich bin auch froh, dass sie nicht größer ist. Alles in allem ein grandioser Teller.

Grappa Grapes

Als Pre-Dessert bekommen wir gefrorene, in Grappa eingelegte Weintrauben, die wir in Essigpulver dippen dürfen. Die Kombination ist nicht ganz mein Fall, aber die Trauben nasche ich noch den Rest des Abends auf.

“Hertzoggie”

Als Dessert erwartet uns eine lokale Kreation. “Hertzoggie” ist eine Art Biskuitkuchen aus einer naheliegenden Bäckerei. Begleitet wird der leichte Kuchen von Kokosnuss-Schaum und Aprikosen-Sorbet. Die Kombination aus allem ist wirklich gut und der perfekte Abschluss unseres südafrikanischen Menüs.

Nachdem wir am Vorabend im drittbesten Restaurant Südafrikas essen waren, hat mir das Menü im “Overture” weitaus mehr gefallen, ohne dabei die Küche von Gregory Czarnecki abwerten zu wollen. “Wir möchten mit simplen Zutaten kochen, aber dennoch muss alles auf dem Teller einen Sinn ergeben und einfach lecker schmecken”, erzählt uns Küchenchef Rickey. Die authentisch südafrikanische Küche des Restaurants hat mich berührt. Das Menü, der Service, die Atmosphäre als Ganzes ergaben für uns einen wunderbaren Abend, der uns lange in Erinnerung bleiben wird.

Oft ist es leichter zu kritisieren, als Positives zu sagen. Auf der Heimfahrt waren wir alle still.

Auf einen Blick
  • Restaurant: Overture at Hidden Valley (zur Website)
  • Küchenchef: Rickey Broekhoven
  • aktuellste Auszeichnung: Top 10 Eat Out Award, Russouw’s Restaurant guide
  • Datum des Besuchs: 13.01.2017
  • Kontakt: Overture at Hidden Valley Wines, T4 Route, Off Annandale Road R44, Stellenbosch, Südafrika
    +27 (0)21 880 2721

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