von Lars Ammer am 3. April 2017

Ein Restaurant in der Hafencity Hamburg. Ein Bartisch mit 20 Plätzen. Ein 3-Sterne-Koch und sein Team. Kevin Fehling polarisierte vom ersten Moment an mit dieser Idee für sein Spitzenrestaurant in der Hansestadt an der Elbe. Um uns selbst ein Urteil zu bilden, haben wir es uns nicht nehmen lassen, Fehling einen Besuch abzustatten.

Zugegeben, auch wir waren zunächst etwas skeptisch in Anbetracht der Tatsache, dass wir an einem Tresentisch aus dunklem Kirschholz mit 18 weiteren, unbekannten Menschen den Abend verbringen sollten. Durch unsere Besuche in Billy Wagners „Nobelhart & Schmutzig“ waren wir jedoch schon etwas auf diese Art von Genusserlebnis gefasst. Ein Vorreiter in Sachen Tresen-Restaurant und revolutionär mit seinem Counter-Konzept ist Fehling also nicht.

Um zunächst eine wichtige Frage vorab zu klären: Ja, wir sind begeistert von Fehlings Konzept, gestalterisch sowie geschmacklich, in der Hamburger Hafencity. Der große Raum mit seinen hohen Decken sorgt gleich beim Betreten des Restaurants für weitschweifende Blicke durch das Lokal. Enge, dunkle Bar-Atmosphäre? Fehlanzeige! Die bequemen Barhocker laden zum Verweilen ein und geben uns das Gefühl, dass wir es hier sehr gut auch länger aushalten können. Unsere Befürchtung, zu nah an den anderen Gästen zu sitzen und kaum Privatsphäre genießen zu können, verfliegt gleich nachdem wir Platz genommen haben. Der Abstand für Gespräche, ohne dass direkt das ganze Restaurant daran teilnimmt, ist in jedem Falle gewahrt.

Kulinarik und Wohlfühlambiente auf höchstem Niveau

Das Ambiente mit seiner Gemütlichkeit und Leichtigkeit hat uns schnell überzeugt. Nun erwarten wir gespannt Service, Speis’ und Trank. Die unglaublich kreativen Gerichte von Fehling folgen einer stimmigen Dramaturgie. Ihm und seinem Küchenteam gelingt mit jedem Gang das richtige Maß an Intensität der Geschmacksaromen. Eine schmeckbare Experimentierfreude sowie eine angenehme Eingängigkeit überraschen uns abwechselnd mit den einzelnen Gerichten. Eine Küche von enorm hoher Qualität und präziser Handwerkskunst überzeugt uns in vollstem Maße. Unsere Gaumen entdecken klassische Gerichte ganz neu interpretiert, wie die wunderbare Entenbrust, die uns gereicht wird. Internationale Einflüsse, wie die Kalamansi Ganache oder das Pastramibrötchen, geben der Speisenfolge das gewisse Etwas.

Bevor uns wieder einer der grandiosen Gänge des Menüs gereicht wird, verfolgen wir gespannt die fokussierten und konzentrierten Abläufe in der Küche, die wir von dem schlangenförmigen Tresentisch ganz wunderbar beobachten können. Trotz einer kurzen Gewöhnungsphase am Anfang des Abends bezüglich der Raumsituation gewöhnt man sich schnell an die Offenheit, die hier mit dem langen Kirschholz-Tisch zelebriert wird. Schnell verwandelt sich die Stimmung in angenehme Entspanntheit auch zwischen den einzelnen Gruppen. Gespräche finden über den Tisch hinweg statt, es ist jedoch auch jedem selbst überlassen sich mit seiner Begleitung allein zu unterhalten. Wir sind begeistert von dieser Mischung aus Distanz und einem Gefühl des „Mittendrin-sein“. Unterstrichen wird diese Atmosphäre von einer Playlist, die perfekt auf die Dramaturgie der Speisenfolge abgestimmt ist.

Bester Service vom Sternekoch höchstpersönlich

Kevin Fehling kommt in seinem Restaurant selbst an den Tisch seiner Gäste. Zusammen mit seinem Souschef Dennis Ilies serviert er, gießt Sauce nach und sorgt für eine herzliche Atmosphäre. Sein echtes Lachen sorgt für absolute Wohlfühlmomente. Wir lieben es, uns hier fallen und von den Köstlichkeiten mitreißen zu lassen.

Auf einen Blick
  • Restaurant: The Table (zur Website)
  • Küchenchef: Kevin Fehling
  • aktuellste Auszeichnung: 3 Sterne für The Table, Guide Michelin
  • Datum des Besuchs: März 2017
  • Kontakt: Shanghaiallee 15, 20457 Hamburg,
    +49 (0) 40 22867422

 

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