von Oliver Wagner am 15. Januar 2017

Am Samstagabend kehren wir zu einem lockeren Dinner in Bertus Basson derzeit jüngstem Restaurant ein: das “Spek & Bone” in Stellenbosch. Es wurde erst vor zwei Monaten eröffnet und, wie auch im “Overture” und “Bertus Basson at Spice Route”, boomt das Geschäft hier täglich. “Spek & Bone” ist viel mehr eine Weinbar als ein Restaurant. Denn mit der Eröffnung seines dritten Unternehmens möchte Bertus Weinliebhabern eine Adresse bieten, in der sie wirklich guten Wein genießen können. “Ich war genervt von den teilweise schlechten Weinen hier. In Stellenbosch gibt es viele Restaurants, die von den umliegenden Weinfarmen beliefert werden. Somit haben sie eine große Auswahl, was nicht immer unbedingt positiv ist. Hier führen wir eine kleine Weinkarte mit sehr selektierten Weinen”, erzählt uns Bertus.

Wer ins “Spek & Bone” geht, hat am besten Lust auf einen entspannten Abend in netter Gesellschaft, laute Musik, guten Wein und Foodsharing. Die Karte wechselt fast wöchentlich und verspricht diverse Snacks sowie eine kleine Auswahl an landestypischen Fisch- und Fleischgerichten. Als Gruppe bestellt man, worauf man Appetit hat und teilt die Speisen untereinander. Nach zwei Abenden in Fine Dining Restaurants freuen wir uns sehr auf dieses Konzept!

Durch einen schmalen Eingang an der Straße gelangen wir in einen wunderschönen Innenhof. Der Baum, der hier das Dach für fast den kompletten Hof bildet, ist der älteste noch Weinreben tragenden Baum in Stellenbosch. Ich entdecke keine Innenplätze, alle 40 Sitzplätze sind draußen. Das Ambiente lädt absolut zum Seele baumeln lassen ein, denn obwohl die Musik laut aufgedreht ist, stört sie kein bisschen, sondern vergrößert die Vorfreude umso mehr.

Woher kommt der Name “Spek & Bone”?

Spek und Bone sind die Namen von Bertus Bassons Haustieren. Er hat drei Hunde, einer von ihnen, Bone, versteht sich ziemlich gut mit einem weiteren Tier im Hause Basson: dem Hausschwein Spek. Spek wiegt 36 Kilo und schläft auf der Couch. Wer Bertus einmal persönlich trifft, würde bei jedem anderen Menschen daheim vielleicht ein Hausschwein erwarten, aber nicht bei dem taffen Koch Bertus Basson! Wirklich sehr sympathisch…

Zurück zu Dingen, die im Gegensatz zu Spek gegessen werden. Da wir uns überraschen lassen möchten, bitten wir den Manager Jacques, uns gern die beliebtesten Speisen aus dem “Spek & Bone” zu bringen.

Er beginnt mit frittierten Schweineschwänzen mit Aioli. Die Vorstellung, dieses Körperteil zu essen, ist schon etwas merkwürdig, aber wir sind nicht zimperlich und kosten natürlich. Mein Fall ist es nicht, das Schwänzchen ist zu knorpelig. Doch die Südafrikaner lieben ihre frittierten Snacks und ihre Aioli und ich bin froh, auch die “crispy pork tails” probiert haben zu dürfen.

Die “Wine Bites” werden nach und nach an unseren Tisch gebracht, sodass wir teilweise schon Platzprobleme bekommen. Das gewürzte Popcorn von der Schwarte ist wirklich lecker. Auch der in Ahornsirup und Bourbon gebratene Speck ist nicht schlecht, die Sesam-Ingwer-Butter dazu noch viel besser!

Oliven dürfen in keinem von Bertus Bassons Restaurants fehlen. Im “Spek & Bone” bekommen wir sie marinier mit Oliventapenade und Grissini. Sehr lecker, mit viel Knobi und gut zum Snacken über den Abend.

Den “Klein Rivier Gruberg” Käse bringt uns Jacques mit grünem Feigen Püree, Grissinis und in getrockneten Feigen gepresste Mandeln. Das Püree ist sehr süß und passt gut zum Käse, der mich stark an jungen Gouda erinnert.

Das dazu servierte Sauerteigbrot ist wirklich lecker, ebenso der geröstete Grünkohl. Die Olivenölmousse ist mit Dukkah Gewürz verfeinert, eine afrikanisch-orientalische Nuss-Gewürzmischung mit u.a. Sesam, Kreuzkümmel und Koriander. Die Aschecreme ist nicht besonders intensiv, schmeckt aber dennoch interessant!

Nach den Happen geht es zunächst mit Fisch und Salat weiter. “Hathaway’s leaves” kommen als grüner Salat von der gleichnamigen Farm mit roter und gelber Beete, Fenchel, Parmesan und Knoblauch Emulsion. Letztere rundet diesen frischen, vollaromatischen Salat perfekt ab.

Die gebratene Gelbschwanzmakrele hat eine herrlich krosse Haut, das Fleisch ist schön zart. Der beiliegende gegrillte Oktopus schmeckt gut, ist mir persönlich aber zu fettig. Sehr passend dazu: Misocreme und ein leichter Kohlsalat.

Mit der Gelbschwanzmakrele geht es weiter, diesmal jedoch mit einem Tartar vom Tier. Wie nicht anders zu erwarten, hat der Fisch eine super Qualität. Der frittierte Tintenfisch bildet einen schönen Kontrast. Neben Yuzudressing, Radieschen, gepufftem Reis und Avocado Püree finde ich besonders die Tintenfisch-Emulsion sehr spannend!

Jacques kündigt an, dass es nun mit Fleisch und Kartoffeln weitergeht. Puh, wo soll das alles noch hin? Glücklicherweise teilen wir ja alles und können so selbst entscheiden, wie viel wir essen. Die “Boere Tartiflette” ist ein Kartoffelgratin mit Camembert, Schinken und Lauchzwiebeln. Sehr gut gemacht, aber mir in diesem Moment einfach zu schwer, als dass ich viel davon essen kann.

Die darauffolgenden sautierten Gnocchi sind fast so gut wie aus dem “Overture”. Mit Blumenkohl, Shitakepilzen, Walnüssen, Petersilienpaste und Parmesan ist dieses Gericht zwar auch etwas mächtig, aber wirklich sehr lecker.

Bis auf die flambierte Lamm-Niere schmeckt mir beim nächsten Gericht alles sehr gut: Von den Kürbis-Fritten über den eingelegten Kürbis bis hin zur Kürbiskerngremolata.

Das Beef Sirloin hat einen wunderbaren Geschmack und ist schön zart. Begeistert bin ich von der süßlichen Krokette aus karamellisierter Zwiebel, die ein super Kontrast zur Spinatcreme und den Pilzen bildet.

Wir sind schon pappesatt, als uns “Richard’s Bresola” serviert wird. Die Bresola ist lecker, aber nicht sehr intensiv. Ich bin sicher von italienischer Bresola verwöhnt. Der eingelegte Sellerie dazu schmeckt mir sehr gut, noch besser das Selleriepüree mit hausgemachtem Senf, dessen Senfkörner schön knusprig sind. Eine super Kombination, die ich unbedingt zu Hause ausprobieren muss!

Bevor uns drei verschiedene Desserts serviert werden, zügeln wir unseren Kellner ein wenig und bitten um nur eine Kleinigkeit zum Abschluss. Er bringt uns knuspriges Pfefferminzeis mit karamellisiertem Popcorn in der Eiswaffel und erzählt uns, dass dieses Dessert ursprünglich ein südafrikanischer Kuchen aus Sahne ist, den jede Großmutter im Schlaf zubereiten kann und im “Spek & Bone” in ein Eis verwandelt wurde. Würde ich Pfefferminz in Verbindung mit süßem mögen, wäre dieses Eis bestimmt sehr lecker. Leider muss ich es in der schönen Holzvorrichtung zurück lassen.

Unser Fazit

Das Ambiente und der Service im “Spek & Bone” sind wunderbar! Wir haben uns von der ersten bis zur letzten Minute sehr wohl gefühlt und das Konzept des Foodsharings sehr genossen. Im Großen und Ganzen ist jedes Gericht im “Spek & Bone” mehr oder weniger mächtig, teilweise sehr salzig und ölig. Das muss man eben mögen, die Südafrikaner lieben es. Dazu muss ich sagen, dass wir jedes Gericht von der Karte probiert haben, was am Ende sicherlich etwas viel waren – Jacques hat es gut mit uns gemeint. Wer nur 4, 5 Gerichte zusammen mit einem leckeren Wein bestellt, geht hier auf jeden Fall satt und glücklich hinaus. Authentische, sehr gute Küche in einem Ambiente, das das Wesen der Südafrikaner perfekt wiedergibt – “Spek & Bone” hat uns begeistert!

Auf einen Blick
  • Restaurant: Spek en Bone (zur Website)
  • Küchenchef: Bertus Bassoon
  • aktuelle Auszeichnung: –
  • Datum des Besuchs: 14.01.2017
  • Kontakt: 84 Dorp Street, Stellenbosch, Südafrika
    +27 (0)82 569 8958

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