von Oliver Wagner am 13. Januar 2017

Das “Waterkloof” Restaurant in Somerset West bringt das Fine Dining Erlebnis im wahrsten Sinne des Wortes auf ungewohnte Höhen. Knapp 50 Kilometer von Kapstadt entfernt, auf dem Schapenberg gelegen, bietet es den Gästen einen unbeschreiblichen Blick auf den Ort “Strand” an der Bucht “False Bay”. Wir sind hier an unserem zweiten Abend mit Jan-Philipp Berner und dem Söl’ring Hof Team. Von der Hauptstraße abbiegend, fahren wir eine schmale Straße etwa zwei Kilometer hinauf zum Schapenberg. Auf dem Weg passieren zahlreiche Rebhühner unseren Weg. Das Restaurant, im imposanten Betonklotz gelegen, kommt näher und unsere Augen werden immer größer. Das moderne Gebäude mit großer Glasfront wurde so in den Berg gebaut, dass es aussieht, als schwebe es teilweise in der Luft. Adele, die uns wieder begleitet, erzählt uns auf der Fahrt, dass der Bau viel Aufsehen erregt hat und immer noch zahlreiche Architekten anzieht. Nun sehen wir mit eigenen Augen, warum.

Küchenchef ist der gebürtige Franzose Gregory Czarnecki. Unter seiner Leitung wurde das Restaurant 2016 als drittbestes Restaurant des Landes ausgezeichnet. Die klassische Küche mit modernem, französischen Einschlag scheint bei den Südafrikanern sehr gut anzukommen. Wir sind gespannt, ob das Menü hält, was die Aussicht verspricht!

Am Tisch begrüßt uns Czarnecki persönlich. Wir sind froh, dass wir aus der sehr appetitlich klingenden Karte nicht selbst wählen müssen, sondern er uns mit seinem Chef’s Menü mit Wine Pairing einen entspannten Abend ermöglichen möchte.

Unser Dinner in luftigen Höhen beginnt mit einer Auswahl an frischen Brötchen mit schwarzer Knoblauch Aioli und verschiedenen Buttersorten, darunter junge Butter, Lauchbutter und Senfbutter. Alles schmeckt sehr gut und interessant, vor allem die Aioli ist köstlich und ein Glück nicht so schwer. Dass es “nur” normale Baguette Brötchen gibt, wundert mich ein wenig, stört aber überhaupt nicht.

Anschließend erwartet uns als erster Gruß aus der Küche eine Auster mit Zwiebel, schwarzem Salz, Himbeere und Himbeeressig. Die Auster ist nicht roh, sondern pochiert und sehr zart. Ein sehr guter Eintieg!

Der nächste Gruß ist eine wahnsinnig gute Parmesan Creme mit Kaviar – absolut voller, tiefer Geschmack, der uns alle begeistert.

Die darauffolgenden Samosas sind mit Iberico Schinken gefüllt. Was lecker aussieht, entpuppt sich als zu salzig, zu fettig. Ein großer Schluck Wein unseres Chenin Blancs hilft.

Dem salzigen Gruß folgt eine leichte Fenchel-Creme mit Dill-Öl und gebratenem Thymian. Es gibt nichts auszusetzen, selbst ich als kein großer Dill-Fan finde das Dill-Öl wirklich klasse.

Die erste Vorspeise ist eine Yellowtail Ceviche mit Meerrettich, Wasserkresse und Wirsingkohl. Die Gelbschwanzmakrele aus dem Chefs Warehouse vom Vorabend gefällt uns im Vergleich besser. Der Fisch war von besserer Qualität. Die Frische und der Geschmack dieses Stücks überzeugen mich leider nicht.

Als nächstes wird uns eine heiße Vorspeise serviert: Hinter “Smiling Valley Marron” verbirgt sich Flusskrebs mit Tomaten Concassé und gratinierter Sauce Hollandaise. Hier ist eine leichte Säure mit im Spiel, was dieses Gericht sehr interessant macht.

Nun folgt der erste Hauptgang. Czarnecki meint es wirklich gut mit uns. Wir genießen die “Mauritius Seabass”, Wolfsbarsch! Begleitet wird der Fisch von Broccoli-Couscous im Lauch-Mantel,  Saldanha Muscheln und Stachelbeere. Der Broccoli hat mir persönlich zu wenig Bums, doch die Muscheln sind sehr aromatisch und auch der Wolfsbarsch mit sehr krosser Haut ist perfekt gegart.

Aus dem kleinen Zwischengang wird eine große Show: Das Crème Fraîche Sorbet mit Himbeer-Puder wird auf Trockeneis serviert. Der Service füllt es mit etwas Wasser und im Nu ist unser Tisch in weißen Nebel gehüllt. Zum Glück hält der Showeffekt noch etwas an, denn das Sorbet ist wirklich fantastisch!

Während wir insgeheim auf Springbock hoffen, wird uns als zweiter Hauptgang dann doch die “Joostenberg Vlakte Duck Breast” serviert, eine Entenbrust mit Safran-Apfel und glasierter Rübe. Die Jus ist sehr lecker, auch die aromatisierten Apfelstückchen. Nur das Messer ist etwas stumpf, die Entenbrust dafür aber so zart, dass es mir nichts ausmacht.

Dem Hauptgang folgt das Käse-Dessert “Madame Fromage Mountain Cheese” mit knuspriger Hühnerhaut, Zwiebel und Sangria Jelly. Die knusprige Hühnerhaut ist das beste auf diesem Teller.

Ein weiterer Gruß aus der Küche ist Grapefruit, Timut Pfeffer mit Teig aus brauner Butter und Gin Sirup. Der Gin Sirup gibt mir kurze Zeit später ein warmes Gefühl im Magen. Die Grapefruit ist erstaunlich süß und super lecker. Davon hätte ich gern mehr gehabt!

Zum Dessert lässt es die Küche nochmal krachen: Es gibt Matcha-Tee Käsekuchen mit salzigem Karamell und Kalamansi. Letzteres ist die Calamondinorange, eine aus China stammende Hybride aus Mandarine und Kumquat. Czarnecki bereitet daraus ein Sorbet zu, das sehr sauer ist und somit ein toller Kontrast zum süßen Karamell und Cheesecake auf dem Teller.

Unser Fazit

Das Waterkloof ist definitiv eine Reise wert, allein wegen der einmaligen Aussicht! Wir sind sehr beeindruckt von dem modernen und stilvollen Design. Die Glasfront, die hohe Decke, die Weitläufigkeit – man muss diese Art von Restaurant mögen. Dass die Geräuschskulisse etwas hallt, ist uns immer noch lieber, als Totenstille an jedem Tisch. Die Meinungen der Einheimischen sind gespalten, auch ich sage: Technisch ist die Küche von Gregory Czarnecki perfekt, teilweise fehlt mir persönlich jedoch die Emotion auf dem Teller, das packende Esserlebnis. Dennoch haben wir unseren Abend hier sehr genossen und können allen Fine-Dining-Liebhabern einen Besuch nur empfehlen!

Auf einen Blick
  • Restaurant: Waterkloof (zur Website)
  • Küchenchef: Gregory Czarnecki
  • aktuellste Auszeichnung: Top 10 Eat Out
  • Datum des Besuchs: 12.01.2017
  • Kontakt: Sir Lowry’s Pass Road, Somerset West, 7129, Südafrika
    +27 (0)21 858 1292