Seit meinem letzen Besuch an der Kopenhagener Waterfront hat sich einiges verändert. Das augenscheinlichste ist die neue Inderhavnsbroen, eine Brücke die den Stadtteil Nyhavn mit der Waterfront verbindet und so die Wege über das Wasser deutlich schneller und einfacher macht. Die Brücke endet direkt an der  Strandgade, vor der ehemaligen Location des Noma.

Dort wo über viele Jahre das regelmäßig beste Restaurant der Welt (nach Ranking der 50 Best Restaurants) mit samt der Versuchsküche und dem Nordic Food Lab beheimatet war, findet sich jetzt das Restaurant Barr. Ein gemeinsames Projekt von Küchenchef  Thorsten Schmidt und René Redzepi. Casual Food mit nordischen Wurzeln, dazu Craft Beer und eine lockere Atmosphäre. Mehr als genug Gründe um während meines letzen Besuchs in Kopenhagen zum Lunch einzukehren. Übrigens ohne Reservierung. Glück gehabt. Vor wenigen Monaten an dieser Stelle undenkbar.

Thorsten Schmidt erläutert das neue Konzept wie folgt: „Die Küche der Nordsee-Anrainerländer hat mich immer fasziniert, Klassiker wie Frikadellen und Schnitzel ebenso wie britische Fleischeintöpfe. Wir werden weiterhin experimentieren und unsere eigenen Versionen traditioneller Gerichte anbieten.“

Die kompakte Speisekarte umfasst einige kleine Tapas, ein paar größere Gerichte und eine kleine Auswahl Sharing-Dishes für zwei (oder mehr) Gäste. Zum Lunch bestellte ich neue Kartoffeln, geröstetes Knochenmark, natürlich die Frikadellen und eine Old School Ice Cream.

Die neuen Kartoffeln werden zusammen mit Ziegenbutter, Liebstöckel und Bakskuld serviert. Bakskuld ist eine traditionelle Fischzubereitung der dänischen Küche, bestehend aus gesalzenem, getrocknetem und geräuchertem Plattfisch.

Geröstetes Knochenmark wirkt immer etwas archaisch. Hier wird es mit unreifen Beeren, Kräuterstielen und Petersilie serviert und dadurch gleich etwas eleganter. So passt es perfekt zum hausgebackenen Sauerteigbrot.

Die zwei Frikadellen, die sich hier unter einem großen Blatt Sommerkohl verstecken, sind quasi schon zum Klassiker des Hauses avanciert. Ein typisches Gericht der dänischen Hausmannskost. Allerdings unverschämt lecker und Dank der großen blanchierten Kohlblätter und einer wunderbar sämigen Sauce dezent modernisiert. So geht Soulfood.

Insgesamt drei Desserts stehen zur Wahl. Ich habe mich für die Old fashioned ice cream entschieden. Eine sahnig schmelzende kleine Sünde. Innen gefüllt mit einem Fichtennadelöl, dazu Blaubeeren und Fichtennadeln.

Hätte ich etwas mehr Zeit gehabt, hätte ich gerne noch weitere Gerichte probiert. So bleibt die Vorfreude auf den nächsten Besuch in diesem beschaulichen Viertel mit großartigem Blick übers Wasser hinüber zum Nyhaven. Direkt nebenan liegt auch das 108, ein weiteres neues Restaurant aus dem Umfeld des Noma.

Restaurant Barr
Strandgade 93
1401 Copenhagen

Keine weiteren Beiträge