Izakaya. Die japanische Variante der Tapas habe ich in Japan sehr schätzen gelernt. In Tokio gibt es ganze Straßen, die von den zahllosen kleinen und höchst unterschiedlichen Iazakays geprägt sind. Egal ob in Shibuya, Shinjuku oder Yurakucho, die Restaurants buhlen um die Gäste und haben oft ganz unterschiedliche Spezialisierungen und Schwerpunkte. Neben Bier und Sake kommen nach und nach viele kleine Teller an den Tisch, um geteilt und gemeinsam probiert zu werden.

Entsprechend groß war die Vorfreude, als ich hörte, dass in Hamburg die zweite Dependance der gerade stark expandierenden Izakaya Restaurants eröffnet. Noch in dieser Woche schloss sich die Filiale auf Ibiza an, Mailand und München folgen in den kommenden Monaten, das Mutterhaus ist in Amsterdam beheimatet. Moderne japanische Küche mit starken südamerikanischen Einflüssen ist das übergreifende Motto.

Das wirklich schöne neue Sir Nikolai Hotel am Nikolaifleet beherbergt das Restaurant in zwei miteinander verbundenen großen und hellen Räumen. Ein Bereich öffnet sich mit schönem Blick auf Fleet und Stadtpanorama, im hinteren Bereich bestimmt eine modern-opulente Optik und ein ausfahrbares Glasdach das Setting.

Der Empfang während Reservierung und Begrüßung ist professionell freundlich, unser Wunsch nach einem vegetarischen Menü wird direkt beim ersten Telefonat notiert.

Die Karte ist umfangreich, englisch und in seiner Dreiteilung an den kleinen Tischen eher schlecht handhabbar.  Das Repertoire reicht von kleinen Snacks über Sushi und Sashimi, Ceviche, Tempura zu einer großen Auswahl von Grill-Gerichten. Die Preise variieren zwischen 15 und 48€ je Gericht. Zudem ist ein 7 Gänge umfassendes Tasting-Menü (85€) möglich.

Das Tasting-Menü wurde uns nach einer kurzen Ausführung über das Haus, die sich aber primär auf die tollen Expansionspläne und das so erfolgreiche Mutterhaus in Amsterdam bezogen, besonders ans Herz gelegt. Das Menü, so heißt es, lässt einen breiten Querschnitt der Küche kennen lernen.  Das klang gut, eine vegetarische Ausprägung wurde erneut notiert – und wir starteten mit einem Glas Perrier-Jouët Blason Rosé in den Abend.

Restaurant Izakaya HamburgIrritationen gleich beim ersten Gericht, der Oyster Filo mit Wasabi und Oscietra Kaviar. Vor allem beim Service, der etwas ratlos mit dem Teller an unserem Tisch stand. Nicht sicher, ob das Schalentier denn wirklich für uns bestimmt wäre. Diese deutliche Unsicherheit zog sich leider durch den ganzen Abend. Das mag bei einem Restaurant, das erst wenige Wochen geöffnet hat verständlich sein, für den Gast ist es jedoch nicht ideal. Nachfragen, die über den auswendig gelernten Satz zu jedem Gang hinausgingen waren eher schwierig. Genau wie der ideale Umgang mit den diversen Tellern, die sich nach und nach auf dem kleinen Tisch ansammelten. Die meisten davon bestenfalls leicht angerührt.

Restaurant Izakaya HamburgDer erste Sharing-Teller für zwei kam in Form eines Tataki von der Zucchini mit Sojasauce und Yuzu, getrocknetem Knoblauch und Frühlingszwiebel. Trotz schöner Aromaten leider recht blass und eher unspektakulär.

Restaurant Izakaya HamburgDer nächste Gang wurde den vegetarischen Präferenzen einer Tischseiten folgenden auf zwei Tellern serviert: Ein Salat von Baby Spinat und gegrillten Shrimps. Der fruchtig-zitrussaure Dressing war stark mit Trüffel Öl aromatisiert. Auf Nachfrage wurde uns verraten, dass viele Gäste das intensive Aroma frischer Trüffel nicht so gerne mochten und man deswegen auf Synthetik setzt. Vielleicht verhält es sich bei den Shrimps ähnlich, ich empfand sie als zu durchgegart und von mehliger Textur.

Restaurant Izakaya Hamburg

Restaurant Izakaya HamburgEs folgten Spicy Tuna Roll und Chimi Churi Beef Skewers. Letztere waren leider bereits kalt, als sie unseren Tisch erreichten, zudem deutlich übergart. Die Sushi Rollen ließen durch die kräftige Chili-Mayonaise und das zusätzlich aufgebrachte Seven Spices Gewürz wenig vom Thunfisch schmecken. Durch zusätzlich eingearbeitete Gemüse-Julienne ergab sich zudem ein etwas befremdliches Mundgefühl. Aber immerhin bislang der erste Teller, den wir nicht komplett zurück geben mussten.

Restaurant Izakaya Hamburg

Restaurant Izakaya HamburgDie beiden nächsten vegetarischen Gängen waren zwar sehr hübsch, allerdings in der Aromatik extrem dezent, so dass nach den ersten kleine Bissen der Spannungsbogen fehlte. Sehr positiv angemerkt allerdings der frisch geriebene Wasabi.

Restaurant Izakaya HamburgWirklich spannend und richtig gut dann der Gegrillte Mais Robatayaki mit würziger Shiso Butter Ponzu. Kräftig, aromatisch, heiß – perfekt. Daneben gab es noch ein Roasted lamb rack, glazed with Gochujung, der fermentierten koreanische Gewürzpaste. Welche Rolle die koranische Küche in dem japanisch-peruanischen Konzept spielt, blieb allerdings offen.

Im Gegensatz zur Rechnung, die sich für den Abend im Izakaya, die gezeigten Gerichte, zwei Gläser Champagner und einer Flasche Wein auf  240€ belief. Das steht leider in keinem guten Verhältnis zur Qualität und Aromatik der Gerichte. Den Großteil der Gänge haben wir teilweise oder komplett zurück gehen lassen, was allerdings nur gelegentlich Anlass zu  kurzer Nachfrage gab. Lediglich die Beef Skewers wurden von der Rechnung genommen und so die Summe der Einzelpreise statt dem Menüpreis berechnet.

Tatsächlich habe ich an den Nachbartischen Gänge beobachtet, die deutlich interessanter aussahen als die Komponenten unseres Menüs. Aber auch da mag die Optik täuschen. Vermutlich wäre es sinnvoller gewesen einige der Signature Dishes des Hauses zu probieren, statt das Menü zu wählen, pflichtet uns nachher der Service bei. Hindsight is always 20/20.

Es war ein schwieriger Start mit dem Izekaya – und ich bin mir nicht sicher, ob ich in naher Zukunft einen neuen Anlauf nehmen werde. Dabei hätte ich mich so gerne wieder auf die Spuren der großartigen japanischen Tapas Tradition begeben. An diesem Abend hat es aber einfach nicht funktioniert: Teilweise war die Produktqualität nicht in Ordnung, teilweise die Konzepte der Gänge für mich nicht nachvollziehbar, teilweise die Ausführung nicht in Ordnung – der größte Kritikpunkt war aber die Zusammenstellung des Menüs. Sicherlich ist es bei einem Sharing-Konzept schwerer eine vegetarische Präferenz am Tisch zu berücksichtigen. Wenn die einzelnen Gänge dafür stimmig gewesen wären, hätte ich mich auch gerne voll auf diese Variante eingelassen (und vielleicht noch den ein oder anderen Gang mit Fisch oder Fleisch dazu bestellt)…

Izakaya Restaurant
Katharinenstraße 29
20457 Hamburg
Telefon +49 (0)40 29996669



Hinweis: Im Nachgang zur Veröffentlichung dieses Artikels sprach ich mit der Restaurant-Leitung und wurde über einen Fehler in der Kommunikation aufgeklärt: Tatsächlich wurde an dem Samstag unseres Besuches das Menü zwar auf der Karte ausgewiesen und uns durch den Service auch ein Tasting-Menü angeboten. Allerdings handelte es sich dabei um eine freie Zusammenstellung von Sharing-Gerichten aus der Karte. Das richtige Omakase-Menü ist erst seit dieser Woche erhältlich.

Keine weiteren Beiträge