Zauberlehrling, Stuttgart

geschrieben am 24. Februar 2012 von Oliver Wagner

In wunderbar zentraler Lage im Heusteigviertel findet sich der Zauberlehrling, aufgeteilt in zwei Gebäude, das Restaurant und das Hotel. Und, schenkt man den schwäbischen Freunden glauben, eilt ihm ein ausgesprochen guter Ruf voraus. Fairerweise und der guten Einordnung halber muss man allerdings auch sagen, das die Hotelsituation in Stuttgart sicher nicht die beste ist, besteht sie doch vorwiegend aus größeren, etwas in die Jahre gekommenen Häusern der üblichen Verdächtigen.

Im Zauberlehrling, in dem ich im Januar 2012 für eine Nacht eingecheckt habe, sind die Zimmer durchweg individuelle gestaltet. Ich habe mich für das Thulamela entschieden, das wie folgt beschrieben wird:
Die Wiege der Menschheit fasziniert uns aufs Neue. Erde berührt unsere Seele, Symbole spiegeln unseren Ursprung. Wer hier zur Ruhe kommt, schöpft neue Kraft für neue Taten.

Nun gibt es bestimmt Gäste, die das Konzept der individuellen Zimmer sehr zu schätzen wissen, ich gehöre nicht dazu. Das hat zunächst gar nichts mit dem Zauberlehrling, sondern eher mit meiner individuellen Erfahrung zu tun. Aus meiner Sicht macht es mehr Sinn, professionelle Gestalter mit der Gesamtkonzeption eines Hotels zu beauftragen und dieses Konzept, wenn erforderlich, an die unterschiedliche Zimmergrößen anzupassen. Das muss natürlich nicht heißen, dass ich ein Design von der Stange präferiere – allerdings eben auch kein Konzept, das offensichtlich viel Handwerk und professionelle Expertise vermissen lässt. So bleibt ein “Ganz witzig” für das Zimmer Thulamela. Aber leider fehlt an vielen Ecken eine sinnvolle Ergonomie. Dank der sehr einfachen Metalltüren die vom Flur zu den Zimmern führen kommt auch kein Eindruck von Hochwertigkeit auf. Das im Schrank verborgene WC ist nicht wirklich ideal platziert, das fest installierte, verschiebbare Tablett auf dem Bett ist hübsch, aber selbst wenn es ganz bis zum Fußteil heruntergeschossen wird, eckt man mit den Füßen (zumindest bei Rückenlage) ständig an.

Ein weiteres Manko das mich fast zur Stornierung meiner Buchung veranlasst hätte sind die AGB, die zusammen mit der Reservierungsbestätigung per E-Mail verschickt werden. Ich weiß nicht, ob das typisch schwäbisch ist, insgesamt wirken diese alles andere als einladend. Hier ein paar Auszüge:

  • Rauchen wird mit einer Geldstrafe bis zu 500 EUR bestraft.
  • Gewerbliche Bildaufnahmen + Übertragung jeglicher Art sind nicht erlaubt und werden mit Geldbußen bis zu EUR 1000 bestraft.
  • Bei Besuchen im gebuchten Einzel-/ Doppelzimmer, die länger als die eingeräumte Besuchszeit von 30 Min. andauern, erfolgt die Berechnung einer weiteren Person

Neben der Kritik gibt es jedoch ein absolutes Highlight, das einen erneuten Besuch dann doch wieder wahrscheinlich macht: Das Frühstück. Nun hatte ich das Glück (zugegeben, ein Unglück für das Hotel), dass ich an diesem morgen der einzige Gast war, der ein Frühstück gebucht hatte. Zudem war die Dame die üblicherweise für diesen Service eingeteilt ist krank. Ergo wurde ich alleine von einem der Köche aus dem Zauberlehrling rundum perfekt umsorgt. Viele kleine Schälchen mit Obst, Müsli und diversen Käse und Wurstprodukten standen für mich bereit, frische Säfte und kleiner Eierspeisen.

Ein weiterer Pluspunkt ist die zentrale Lage, konnte ich doch alle meine Termine in Stuttgart zu Fuß erreichen.